In meiner Generation, vor allem der Jugend, stellten legendäre Musikfestivals, beginnend mit Woodstock 69, so etwas wie heilige Grundsäulen dar. Hier ging’s nicht nur um Unterhaltung, sie betrafen und beeinflussten viele Bereiche unseres Lebens und waren aufgrund der Beteiligten oft auch hochpolitisch. Für seine Bangladesch-Hochwasserkatastrophen-Hilfe brachte George Harrison u. a. auch den indischen Sitar-Giganten Ravi Shankar in den New Yorker Madison-Square-Garden. Dessen Tochter kennt man heute unter „Norah Jones“ ganz gut. Das amerikanische No-Nukes-Konzert von 1979, gegen jegliche Nutzung von Kernkraft, brachte mir viele seiner Akteure, wie James Taylor, Jackson Browne, Crosby- Stills-Nash, The Doobie Brothers, Bonnie Raitt, Carly Simon, Bruce Springsteen, Tom Petty, Gil Scott-Heron und Ry Cooder, samt ihrer Anliegen näher. The Last Waltz, das finale und Abschiedskonzert von The Band 1976, landete 2 Jahre danach (wie schon Woodstock zuvor) als Film in unseren Kinos. Unglaublich die Gästeliste: Muddy Waters, Paul Butterfield, Joni Mitchell, Van Morrison, Dr. John, The Staple Singers, Eric Clapton, Neil Young, Emmylou Harris, Neil Diamond, Ronnie Hawkins, Bobby Charles, Ringo Starr, Ronnie Wood & Bob Dylan. Auch dank Martin Scorsese als Regisseur und dass in unterschiedlichen Konstellationen u. zuletzt als alle zusammen aufgespielt wurde, gilt das Video davon allgemein als bester und beeindruckendster Musikfilm aller Zeiten. Robbie Robertson, Gitarrist und wesentlicher Songwriter von The Band, bescherte uns auch danach noch wunderbare Alben, zum Teil mit P. Gabriel, Toni Levin & Manu Katche, zum Teil mit Musikern der New Orleanser Szene und zuletzt widmete er sich vermehrt auf wunderbare Weise der „Indianischen“ Musik seiner kanadischen Vorfahren. Levon Helm, der Drummer, richtete sich seine „Studios“ in einem viel intakteren und kultivierteren (als der unsrige im Weinviertel!) Bauernhof bei Woodstock ein, um die legendären „Midnight Rambles“, Konzerte und Sessions a la Open Stage, nachhaltig auf den Weg zu bringen. Oft wurde und wird den Initiatoren und Organisatoren großer Benefizkonzerte, wie Bob Geldof oder Bono, vorgeworfen, damit nur oder vor allem ihre eigene strauchelnde Karriere aufzufetten. Ist doch egal, oder? Mit den Band-Aid und USA for Africa -Events wurde die Welt doch einigermaßen für Äthiopien und die globale Hungerbekämpfung sensibilisiert. Dabei sind nicht nur die enormen ersungenen und gespendeten Summen relevant, sondern auch die Botschaften der Moderation, die unser aller Mitverantwortung und zum Teil auch Schuld an den Nöten der sogenannten 3. Welt erklärten. Das Anti-Apartheit „Free South-Africa“-Konzert fand noch vor der Enthaftung Nelson Mandela’s statt und beschleunigte diese höchstwahrscheinlich auch. Leute wie Paul Simon und Peter Gabriel haben als westliche Musiker mit ihrem speziellen Zugang zur „Worldmusic“ auch meine (ursprünglich rein westlichen) Hörgewohnheiten massiv erweitert. Klarerweise pilgerte ich in den 80ern auch zum großen Amnesty-International-Benefiz nach Budapest, wo Gabriel nebst Springsteen, Sting und Tracy Chapman auch mit dem Senegalesen Youssou N’Dour, den ich künftig noch öfter sah, auftrat. Jährliche Afrikafeste auf der Donauinsel gibt es heute noch und Sting genoss ich gemeinsam mit Paul Simon noch vor wenigen Jahren in der Wr. Stadthalle. Dort traf ich auch Willi Resetarits zum letzten Mal! Dort war’s auch fast 20 Jahre davor, wo ich durch Pauli McCartney doch noch Beatles schnuppern konnte. Klar, in den nicht einmal 10 aktiven Jahren waren die Pilzköpfe nie live in Wien zu sehen & wenn’s doch so gewesen wär, ich viel zu jung gewesen wär. Paul spielte mit seiner Linda und den „Wings“ umjubelt auch eine Latte voller Beatlesnummern. Weniger bejubelt wurde das strenge Vorprogramm, bei dem unter Linda’s Regie ein Filmvortrag über Vegetarismus und Tierleid gebracht wurde. Für viele „Kannibalen“, die zum Teil spottend die Halle verließen, zu penetrant, ich fands mutig und großartig, penetrier ja auch selbst ganz gern. Bei meinem einstigen New Orleans -Besuch wusste ich leider nichts von Dr. John und auch nicht von den dort ansässigen und umtriebigen Neville Brothers, die mit ihren afrikanischen, Maori- und Cajun-Einflüssen eine für mich unverzichtbare Art von Funk kreierten. Beide konnte ich später in Europa mehrmals live genießen, ersteren z.B. beim Rudolstadt-Festival in Thüringen und zweitere u.a., nebst Tina Turner, im Praterstadion. Während sich die Turner-Musiker beim Neville-Gig ganz vorne rumtrieben, waren die Brothers umgekehrt dort bei Tina’s Show zu finden. So wie ich, der es sich nicht verkneifen konnte, Drummer Willie Green und Bassisten Tony Hall über Gott und ihre musikalische Welt auszufragen. Als Fans die beiden erkannten und nach Autogrammen schnorrten, taten sie das auch bei mir! Ja, ich sah dem einzigen „Blassen“ der Band, dem gerade unauffindbaren Gitarristen Brian Stoltz ziemlich ähnlich und nach anfänglichem Zögern schrieb ich mir (mit meinem Namen!) bald die Finger wund, während sich Willie und Tony, die Echten, vor lauter Lachen kaum halten konnten…










