17) Mit einem oder dem anderen Freund, oder mit beiden in Tunesien

Es muss auch so um 90 herum gewesen sein, als mein Freund Roman-Burli und ich spontan beschlossen, der Kälte zu entfliehen. Kaum mehr als 2.000 Schilling für’s Ticket ließen uns nicht lange zögern. Wir, oder vor allem ich, kamen fast direkt und ungeschlafen von einer recht „ordentlichen“ Party nach Schwechat.  „Waunn hebt‘n der deppate Fliega endlich ob?“ suderte ich, als wir schon längst an der Landepiste von Tunis ausrollten. Wir hätten sogar Nächtigung und Frühstück für 2 Wochen inklusive in einem Club am faden Sandstrand gehabt, nutzten dort aber nur Anreise- und Abflugtag, während wir uns per Bus und Autostopp Land u. Leut ansahen. Was oder wen wir so spontan nicht beachteten, war der „böse“ Ramadan. So war es zusätzlich schwierig für uns, selten und heimlich dann doch noch wo Alkohol zu ergattern. Im Nachhinein bin ich mir mit unserer Penetranz schon ein wenig vorgekommen wie anpassungsunwillige Muslime in Wien. Möglicherweise jedoch hätten uns beiden Kopftuch u. Burka ja auch nicht so schlecht gestanden!? Gott oder Allah sei Dank …und vor allem Monty Python sei Dank, dass wir einigermäßen auf dortiges Treiben schon eingestimmt waren. Zwei halbnackte scheinbar altersschwache restmännliche Grazien stellten sich uns in den Weg, stotterten und stammelten wirr im Stakkato, während sie uns die Spendenhand entgegenstreckten …und unterhielten sich dann grinsend in flüssigstem gepflegtem Arabisch, nachdem wir in die Falle gingen. Irgendwie stimmten wir überein, dass die 2 ihr Geld absolut wert waren. Das schier endlos seichte Meer zur Insel Kerkennah, ein offenbar nicht so eindeutiger Hetero am Strand von Sfax, der mich komplett Nackerten gerade dem Wasser entsteigend nach einer Tschick fragte, die beindruckenden Frauen von Gabes, die goldenen Felsen von Tozeur und ein Sandsturm bei Douz, der uns blinzelnd kaum etwas von der guten alten Sahara erkennen ließ, sowie der riesige Salzsee ergänzten unser Programm, ehe wir wieder in den Club gelangten. Wir spielten Tennis mit geliehenen Rackets, passende Schuhe gab‘s nicht und mit dabei hatte ich, im Gegensatz zu meinem Gegner, auch nix halbwegs Geeignetes, also tat ich das barfuß. Nur ließ es sich so auf dem rauen Spielfeld kaum gut beschleunigen und bremsen. Burli ging als Sieger hervor! Eine würdige und demütigende Revanche folgte am Abend danach. Billard war angesagt und nach mehreren relativ ausgewogenen Runden kam’s zu einer netten Situation. Roman hatte die letzte und entscheidende Kugel, ca. eine Handbreit vorm Ziel, einzulochen. „A g’mahde Wiesn“, wie’s im Buche steht! Wir wollten mit diesem Trip auch irgendwie unseren Tavernenkollegen entkommen und 2 unserer verhaltensauffälligsten Exemplare damals hießen Mabi und Heinz. Andächtig und siegessicher war mein Burli samt seinem Kö-Prügel über Kugel und Loch gebeugt, zögerte noch ein wenig, um den Moment ausführlich genießen oder auskosten zu können, als er süffisantest „waunn i den ned vasenk, kaunnst Heinz zu mir sogn“ von sich gab, ehe er noch, ich weiß nicht so ganz, ob abschwächend oder dramatisierend „…oda Mabi!“ hinzufügte. Heinzodermabi(!) und ich verbrachten die restlichen späten Stunden noch an einer abgelegenen Bar des Clubs um jeweils wehleidig zu resümieren, als sich 2 tunesische Animateure zu uns gesellten und sich beklagten, wie sehr sie es satt hätten, Nacht für Nacht mit irgendwelchen Touristinnen „ins Bett“ zu müssen. Nach unserem Zweifel daran, wiederholten sie „müssen“, da sie bei Weigerung den Job verlieren würden, wie sie meinten. Heinzodermabi bedauerte die beiden und appellierte an meine baldige Vergesslichkeit.