19) Indonesien mit Lore

Nach meiner aktiven Tavernenzeit, als ich gerade begonnen hatte in ersten Bands zu musizieren, lernte ich Lucia und ihre umtriebige Clique kennen, die eine andere, aber „erträgliche“ Leichtigkeit des Seins verkörperten. Sie studierte u. a. Spanisch und Geografie, wenn ich mich nicht täusche. Als sie mal mit vollen Akkus freudig gestimmt aus Mexiko heimkam und ich mir auf der Gitarre gerade eine leiwande Melodie und Groove einfallen ließ, bat oder nötigte ich sie um einen möglichst passenden Text dazu. Erst eher widerwillig reagiert, tanzte sie nach ein paar Tagen dann doch noch mit gleich 3 Geschichten an: Mexico, Da Maiatempe und Hora De Bailar. Erstere musste ich noch einigermaßen ummodeln und ergänzen, um sie in die geplante Form zu bekommen und so spielten wir’s dann als Gipfelschnippers (klarerweise mit Bergbezug!) eine Zeit lang fast bei jedem Gig. Lucia jobbte dann fürs EU-Parlament in Brüssel und ist heute Assistentin bei unserem besten und notgedrungen(!) auch fleißigsten Bundespräsidenten ever und sie begleitet ihn auch auf seinen diplomatischen Reisen. Mit ihrer Zwillingsschwester Lore verbanden mich auch andere Verrücktheiten, die uns bald zu einer unüblichen Indonesien-Expedition führten. Erst umwegig über London, samt Fußwanderung ins legendäre Green Man’s Pub, nach Kuala Lumpur und schließlich in der (damaligen) Hauptstadt Jakarta auf Jawa aus dem Flieger gespuckt, wo wir uns nicht allzu lange aufhielten, um mehr Zeit für das historische Yogjakarta zur Verfügung zu haben. Wir besuchten landestypische Schatten- u. Puppenspiele, bauten einen Rikscha-Unfall. Ja, nachdem ich mich aufdrängte, dieses Ding, mit Lore und dem Eigner im Sitzkorb, selbst zu pilotieren und eine Kurve zu eng, fast 90-gradig nahm, sodass die beiden regelrecht hinauskatapultiert wurden, wollte ich am liebsten in den südostasiatischen Erdboden versinken. Und wir beschlossen, den nahegelegenen 3.000er-Vulkan Merapi zu besteigen, von dessen steilen Flanken aus wir den gigantischen Hindutempel „Prambanan“, als auch die weltgrößten Buddha-Variante von Borobudur (beide stammen ca. aus dem 9. Jahrhundert), gut sehen konnte. Am Gipfel rumorte, rülpste und schwefelte es heftig. Auf unsere besorgte Frage an 2 einheimische Bergleute, ob dies normal sei, kam zwar zögerlich, aber doch eine Entwarnung als Antwort. Eine Woche später brach unser Merapi aus, hinterließ eine Spur der Verwüstung und bewirkte dutzende Todesopfer vor allem in den umliegenden Dörfern. Als wir uns an einem einsamen Strand einen Entspannungs- u. Badetag gönnten, kam es noch zu skurrilen Kampfhandlungen. Nach einem längeren Schwumm gerade dem Wasser entstiegen, sah ich Lore mit einem Pavian, jeweils mit ihren Linken an unserem Rucksack zerrend und mit ihren rechten Fäusten wie wild aufeinander eindreschend, bis es dann gerade noch 2 gegen 1 nicht für den Affen ausging…

Bali war sehr feucht, sehr grün, sehr überrannt, zumindest an den Küsten. Wir konnten uns aber bald ein Motorrad leihen (diesmal war kein Pferd zur Verfügung), um in die „Heiligtümer“ der Insel zu gelangen. Klöster, Berge, wie den Mt. Batur, den wir natürlich besteigen mussten, saftige Reisterrassen, bebadbare Wasserfälle und einen See, den Lake Batur, den wir in einem Einbaum-Kanu überquerten, um in ein vermeintlich völlig untouristisches und unverdorbenes Kaff aus Hindu-Jawanischer Vorzeit zu gelangen. So schlimm, aufdringlich und lästig war’s nirgendwo sonst, konnten wir nicht einmal vernünftig anlegen, so sehr wurden wir dort belagert. Beim eiligen Rückrudern wurden wir noch von heftigem (Blitzlicht-)Gewitter entschädigt, ehe wir dankbar mit unserem Zweirad an den vielleicht ruhigsten Strand der Insel kamen. Dolphin- u. Whalewatching tags darauf war, aufgrund weit mehr beteiligter Touris u. Boote als zuvor beworben und versprochen, einfach nur peinlich. Verfrüht zurück an den Strand, wurden wir schon von T-Shirt-Dealern umzingelt und tatsächlich, weu’s eh scho wuascht woa, erstand ich ein ganz nettes balinesisches Leiberl. Sofort kramten die anderen Kollegen exakt das gleiche Ding hervor und konnten oder wollten überhaupt nicht verstehen, dass ich nicht gleich mehrere kaufte. Die Ironie dieser Geschichte ist allerdings jene, dass ich dieses Shirt nach über 30 Jahren und unzähligen Waschgängen, kaum verblasst immer noch habe und trage. Hätte ich doch alle genommen! Die ruhigere und sehr sympathische Nachbarinsel Lombok erkundeten wir ebenfalls per Motorrad. Hier machte es große Freude, mit Einheimischen auf üppig bunten Märkten oder sonst wo in Kontakt zu kommen. Die nahegelegenen Gili-Inseln brachten uns noch eine imposante Unterwasserwelt näher, fast schon zu nahe, wenn ich an das gefiederte einem Huhn ähnliche und eigentlich wunderschöne Etwas denke, welches mir einen Meter beim Schnorcheln gegenüber schwebte. Es starrte mich an, wie ich es auch umgekehrt tat und rührte sich nicht einmal, als ich mit der Hand nervös zu wacheln begann. Erst nach einem Klaps auf das Hinterteil, machte es einen winzigen Satz zur Seite und sah mich noch verdutzter an. Okay, war eine nette Begegnung, aber schließlich hatte ich auch noch was anderes vor. Abends saßen wir unter anderem mit einem dänischen Tauchlehrer bei einem Bier. Als ich ihm mit genauer Beschreibung von meiner lustigen neuen Bekanntschaft erzählte, meinte er nur sehr trocken, dass ich da wohl sehr großes Glück hatte, nicht von diesem giftigen Rotfeuerfisch gestochen worden zu sein…