20) Hakuna Matata, Tansania & Sansibar

Frühe Legenden besagten, der Gipfel des Kilimanjaro sei mit Silber bedeckt. Der glitzernde Gletscher wirkt ja bei bestimmten Lichtverhältnissen ja tatsächlich so und Schnee kannten die Menschen dort sowieso nicht. Krieger, die es wagten, sich einen Teil dieses Schatzes zu holen u. somit Gott lästerten, fanden nicht zuletzt auf Grund der Höhenkrankheit ihr baldiges Ende, wenn sie nicht reumütig wie ehrfürchtig und unverrichteter Dinge rechtzeitig umkehrten. Im Winter 94 schaffte ich es wieder mal, mehr als einen Monat zur Verfügung zu haben, um mich wieder meinen geliebten Bergen widmen zu können. Ich beschloss, meinen lang schon ersehnten Kilimanjaro in Angriff zu nehmen und checkte mir erst mal einen Flug nach Dar-Es-Salam. Nicht nur weil Küstenstadt, sondern weil sie mir so vielfältig und, wie der Name schon aussagt, friedlich vorkam. Muslimische Moschee stand nicht weit von jüdischer Synagoge und christlicher Kirche. Auch Süd- & Ostasiatische Einwanderer fanden ihre Tempel dort. Und es funktionierte! Der Grund, mich wirklich wohl dort zu fühlen, war jedoch mehr die ungezwungene Gastronomie samt den genialen 0,66er-Liter-Einheiten des tansanischen Pilsener. Ich fuhr per Überlandbus vorbei an den Usambara-Bergen bis Arusha, um auf Raten den 4.600 m hohen Mount Meru zwecks Akklimatisierens zu besteigen. Dabei kam ich durch und in Dörfer, deren Bewohner, vor allem die Kinder, keinen Hellhäutigen wie mich noch gesehen haben. 2 Mädels rubbelten an mir mit der Frage, ob dieses Weiß, denn nicht runtergehen würde und ihre Mutter wollte tatsächlich wissen, ob auch der Schniedel so weiß sei! Wenn auch anfangs skeptisch, luden mich die Menschen dort in ihre Behausungen und zeigten mir ganz stolz, ohne mir irgendetwas aufwarten zu können, ihre wenigen Habseligkeiten. Den eigentlichen Gipfel ließ ich dann wegen Schlechtwettereinbruchs aus. Beim Abstieg lernte ich dann Tina, eine Touristin aus Malawi, kennen. Ich ließ sie als Untermieterin in meinem Quartier wohnen und sie überredete mich, mit ihr auf Safari zu gehen oder fahren. So besuchte ich noch ursprünglichste Massai-Dörfer, Teile der Serengeti, sah den imposanten Ngorongoro-Krater und den Lake-Manjara sowie deren majestätisch tierische Bewohner (where lions sleep in the trees). Bei einem Stopp im Krater konnte man den Landrover verlassen, was ich nützte, um einer Zebraherde etwas näher zu kommen. Dies wäre nicht nötig gewesen, denn diese Streifenpferde kamen mir ohnehin schon im Schweinsgalopp entgegen. So schnell konnte ich gar nicht schauen, bis mich ein Ranger am Krawattl packte und mich zum Wagen drängte. Sie seien zwar nicht im herkömmlichen Sinn aggressiv, aber aufgrund ihrer enormen und stürmischen Liebesbedürftigkeit durchaus lebensgefährlich. Neben dem Wagen genehmigte ich mir dann mein vorgefertigtes Käsesandwich, dachte ich zumindest! In dem Moment, als ich das Ding gierig zum Mund führte, sah ich einen riesigen Schatten und ein entsprechender „Greif“vogel, schnappte mir, ohne mich zu berühren oder verletzen, meine Mahlzeit aus der Hand. Danach beobachtete ich, auf der Motorhaube sitzend, derartiges Schauspiel mit anderen Teilnehmern und -Innen, die hysterisch aufheulten und sich dann plärrend im Auto verkrochen. Nächstes Ziel war das am Fuß des Kili gelegene Dorf Moshi, wo ich mir vorgeschriebenen Bergführer und 2 Träger organisierte. Immerhin waren für eine halbwegs Erfolg verheißende Besteigung mindestens 5 Tage empfohlen. Aufgrund meiner schon absolvierten Akklimatisation entschied ich mich für eine billigere 4-Tages-Variante, bekam einen noch schnorrenderen deutschen Kollegen beigestellt und um Mitternacht gings los. Meinen ungeleerten Tramper-Rucksack trug ich selbst, Wasser (bis zur Schnee- u. Gletscherhöhe) und Säcke Kartoffel schleppten die braven Trägerburschen. Wir durchwanderten alle Klimazonen, nicht vom Äquator zum Pol, aber von 1.700 bis 5.900 Höhenmeter, schliefen (schlecht bis kaum) trotz allem Gewand im Bundesheerschlafsack frierend in Zelten und Steinhütten. Das Wetter passte und vorbei an mehr als 10 Meter hohen Gletscher- u. Eiswänden, gings mit kurzem Stopp am Gilmans Point, dem Kraterrand, mit genialem Blick zum gegenüberliegenden sonnenaufgänglich roten Mawenzi, hinauf zum Kibo-Gipfel, namens Uhuru-Peaks. Erst da wurde mir schlitzäugig, aber mehr als zufrieden unglaubliches Kopfweh bewusst. Den Abstieg schaffte ich mittels Krater-Surfings recht zügig, meinem Deutschen sackten dabei allerdings die Beine weg und er blieb erst mal für eine halbe Stunde zusammengekauert im Steilhang, bis er mit meiner und der Hilfe unseres Führers zum Erholen ins Basislager kam. Trinkgeld ließ er keines am Berg und ich bat um kein weiteres Treffen mit ihm. Unten in Moshi durfte ich noch mit den örtlichen muslimischen „Sternsingern und Ratschenbuam“, wie ich sie nannte, musizieren, bevor ich mir in Helen‘s Café meine Belohnung in Form 2er bottles of Tansania-Pilsener abholte. Mittels Fähre gelangte ich 3 Tage später in die atemberaubende Stone-Town von Sansibar, von der aus ich die legendären Gewürztouren unternehmen und die geilsten Strände erkunden konnte. Bei einem Barbecue lernte ich eine Nürnbergerin kennen, die mich bald schon veranlasste, endlich und tatsächlich in ihre Heimatstadt zu gelangen. Zurück zum Airport von Dar-Es-Salam kam ich per Propellerflieger, die Fähre ist an jenem Tag, wie ich später erfuhr, gesunken…

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