Als ich in Delhi eintraf, erfuhr ich rasch von der Verschiebung des Weiterflugs nach Kathmandu wie auch den Grund dafür. Heftige Regenfälle und Überschwemmungen legten die nepalesische Hauptstadt kurzfristig lahm. Tags darauf gelangte ich dennoch hin und ich pirschte mich durch die Aufräumarbeiten in die viel gepriesenen Sehenswürdigkeiten wie hauptsächlich buddhistische Tempel diverser Anhöhen, Schreinen, Stupas und Pagoden. Mit einer beim Verharren am Delhi-Airport kennengelernten Slowenin besuchte ich auch die historische Kaiserstadt Bhaktapur samt gastronomischer Infrastruktur. Ziel war allerdings das höchste und mächtigste Gebirge der Welt, also nutzte ich die nächste Gelegenheit um mit einem Helikopter, tieffliegend wie ein Huhn und mit bester Aussicht auf die vor allem am Reisfeld arbeitenden Menschen, mit schneebedecktem Himalaya am Horizont, in das ca. 2.800m hoch gelegene Bergdorf Lukla zu kommen. Von dort aus wanderte ich für 2 Wochen über das Sherpadorf Namche-Bazar und dem Tengboche-Kloster, vorbei am heiligen Berg Ama Dablam bis in das Basislager des Mount Everest. An der 8.500m hohen Lotse-Flanke bis zu Mera- u. Islandpeak, zum wunderschönen Gokyo-Lake und auf den dem Mount Pumori benachbarten Kala Patthar, mit perfektem Blick auf den Sagarmatha genannten Everest. Am Weg dorthin schlief ich gut und günstig bei Sherpas, deren aufgeweckte und nicht englischsprechende Kinder mich liebevoll „Pizza“ nannten. Die einzigartige Szenerie und das klare tiefblau wolkenlose Wetter mit frischestem tiefem Neuschnee hatte natürlich ein Vorspiel. Schon beim Aufstieg kamen mir mehrere mittels Ackjas oder sonstigen Bahren violett-gefrorene Leichen entgegengetragen, nachdem es zuvor dort wider Erwarten (vermutlich während des Regens in Kathmandu) 3 Tage lang durchgeschneit hat und Bergsteiger eingekesselt wurden. Stellenweise war es nur möglich über größere Steine im Flussbett entlang weiterzukommen, dafür konnte ich nebst meinem in Namche Bazar kennengelernten Bergkameraden Dexter (oder hieß er Gordon?) überall erster sein. Erster war ich auch an einer steilen Stelle, wo ein schwer beladener Yak abgestürzt war und sich zwischen 2 Felsen verfing. Sein zweibeiniger einheimischer Begleiter versuchte schon verzweifelt, das von dem Tier getragene Zeug quasi ins Trockene hinaufzubekommen. Erst half ich ihm natürlich dabei und während wir noch auf Dexter oder mögliche andere Bergsteiger warteten, banden wir unser Yak an Seile, mit denen wir es dann nach Eintreffen letzterer gemeinsam und mühsam wieder in die Spur ziehen konnten. Dieses an sich eher scheue Tier kuschelte sich an mich und leckte mir die Hände und meine Augen wurden prompt anderwärtig feucht! So sehr mir die Szenerie dieses traumhaften Bergpanoramas …ein Stück weit erinnerlich ist (oje, diese Ausdrucksweise kenn i doch von ungustiösen österreichischen Schnöselpolitikern!), so sehr fragwürdig und abstoßend erschien mir damals schon das Verhalten einiger Bergtouristen. Es war eigentlich üblich, in den über 5.000m hohen Behausungen nicht den Raum zu heizen, sondern nur für das Kochen des Tees Feuer zu machen und das ausschließlich mit Yak-Scheiße. Skrupellose, vorwiegend Russen und Amis, hatten mit ihren Rubels und Dollars Sherpas genötigt oder geschmiert, Cola in Kisten, schwerer als deren Körpergewicht, in noch höhere Regionen zu schleppen. Wasser für Tee oder auch pur hätte der Schnee geliefert. Mit Brennholz verhielt es sich ebenso, Sherpas mussten jeweils bis zur oder knapp unter die Baumgrenze bei 3.000 bis 3.500m absteigen, um Unmengen Holz für das Beheizen der hochgelegenen Steinhütten rauf zu schaffen, damit Idioten in T-Shirts etc. rassistische und frauenfeindliche Sprüche zum …schlechtesten, von sich geben konnten. Nicht nur wegen des Klimawandels, auch deshalb hat sich die Baumgrenze schon in weit tiefere Regionen verlagert. Auch dass der gesamte Müll solcher Leute und leere Sauerstoffflachen, sowie vereinzelt auch tiefgefrorene Leichen, auf weit über 6.000m oben bleiben, bedarf eigener Sammeltrupps, die dann nicht selten in Schlechtwetter geraten und ihr Leben aufs Spiel setzen müssen, oft auch ohne happy end! Okay, Ich verbrachte 3 Nächte bei minus 25 Grad Außen- und ca. -10 Grad Innentemperatur in meinem viel zu oft schon ge- u. verwaschenen Bundesheerschlafsack. Die daraus resultierende Erkältung veranlasste mich etwas beschleunigter abzusteigen und bald den Süden von Indien anzusteuern. Zurück nach Kathmandu flog ich erstmal mit einem Sportflieger von der kürzesten und steilsten Landepiste der Welt. In Kalkutta wurde zwischengelandet und ich wühlte mich durch dichtestes Verkehrschaos von farbeprächtigen Menschenmassen, Rikschas, Vehikeln aller nur denkbaren Hoch- u. Querformate, 1-, 2- und ?-spurig und natürlich unzähligen Heiligen Kühen, die damals fast noch sowas wie Vorrang hatten. Mutter Teresa konnte ich nicht finden, wahrscheinlich nur des Smogs wegen und der vielgerüchigen Abgase, durch die man nicht sonderlich weit blicken konnte?! Über Madras (heute Chennai) gelange ich nach Tamil Nadu an der Südostküste. Die Strände des Golfs von Bengalen waren großer Brandung ausgesetzt und die vielen Fischer benötigten meist mehrere Versuche, um über riesige Wellen waghalsig ins Meer rauszukommen. Das erstaunliche für mich war, dass gottesfürchtig fast keiner von denen schwimmen konnte. Mahabalipuram hieß der auserwählte Ort, von dem ich schon von meinem Bruder erzählt bekam, da er dort zuvor schon mehrere Jahre gelebt hatte (Er selbst war da gerade mit seiner Lebensgefährtin Karin per Dieselmotorrad in Ladakh unterwegs). Es war ein Dorf von unzähligen Steinmetzen und es wurde fast rund um die Uhr gehämmert, gebohrt, gesägt und geschliffen, was mich nicht störte, da ich in dieser Zeit im Ösiland nebenbei selber derart tätig war. In oder aus riesigen Felsformationen wurden ganze Tempel, hier meist für Hindus, gehauen, oder gigantische Elefanten und „Ganeshas“, sozusagen aus 1 Stein. Fast jeder hatte auf seinem Grundstück eine vor Ort gefertigte Skulptur herumstehen. Einer davon war Kiran, bei dem ich eine coole Bleibe finden konnte. Ich bekam auch Rabatt, da ich ihn in seiner Abwesenheit bei der Entgegennahme bestimmter „Waren des täglichen Verbrauchs“ verlässlich behilflich war. Weiters wurde ich zu seinem Chauffeur, da er zwar einen Bus, aber keine gültige Fahrerlaubnis (mehr) hatte. So brachte ich ihn samt 9 seiner Kumpels zu einer riesigen Hochzeit im Landesinneren, der ich auch als Ehrengast teilhaben durfte oder musste. Über 300 Leute in buntesten Gewändern erwarteten uns, boten uns die zweitbesten Plätze an und tischten uns mehrgängige vegetarische Köstlichkeiten, ohne Besteck oder Stäbchen, auf riesigen Bananenblättern an. Alle schafften es rasch, fast schon fastfoodmäßig, gebeugt von unten mit den Fingern in den Mund hineinzuschaufeln, bis auf einen! Klar, wer der war, der die ganze Partie aufgehalten hat. Ich schaffte es nur von oben halbwegs zielsicher was in mich hineinzubekommen. Egal, das Schmunzeln dieser vielen war, wie ich glaube, liebevoll und ohne Gehässigkeit gemeint. Umgekehrt war ich durchaus weit mehr verblüfft, als ich das blutjunge Brautpaar wahrnahm, weit voneinander getrennt, schüchtern und verängstigt, auf ihren Thrönen verharrend und nur vorsichtig, zaghaft und vermutlich erstmalig(!) ihr Pendant erblickend. Der fast schon morgendliche aber noch stockfinstere Rückweg gestaltete sich schwierig. Nein, Alkohol gab‘s auf diesem Fest keinen, aber dass man durch riesige Schlaglöcher und Gegenverkehr, der nicht immer von derselben Seite kam, nicht abblenden, sondern nur abdrehen konnte, ließ mich des Öfteren rätseln, ob da Links-, Rechts- oder Zwischenverkehr üblich war. Ein wirkliches Goodie aber war Kirans Motorrad, eine alte Enfield, die er mir für den gesamten Aufenthalt überließ!
Ein Jahr später begab ich mich nochmals dorthin, mit meiner Mutter im Gepäck, die sich wünschte, nach langer Zeit endlich mal ihren Buben, meinen Bruder, treffen zu können. Er befand sich gerade wieder im Süden, allerdings nur mehr sehr kurz, da er schon den Umzug in den Norden nach Darjeeling vorbereitete, um dort seinen Tempel zu bauen. Für Muttern hatten er und Karin noch ein Bett übrig, umgeben von Spinnen, Skorpionen, Ratten, eh ungiftigen Schlangen und spirituellen Aufgaben(!). Ich schnappte mir wieder die Enfield und erkundete erstmals Kerala im Südwesten. Am Kovalam-Beach des Indischen und viel türkisblaueren Ozeans gönnte ich mir eine Schnorcheltour, nicht ohne dabei zu sparen. So wurde mir ein älterer Taubstummer mit Turban und Lendenschurz zugeteilt, mit dem ich zunächst 2 Baumstämme zusammenbinden musste, um danach damit knieend und mit morschen Brettln als Paddel in die unruhige See stach. Mehrmals ging ich dabei unfreiwillig über Board und bald konzentrierte ich mich mehr ans Festhalten, anstatt armselig zu paddeln. Und irgendwann, nachdem ich meinen „Kapitän“ schon voller Fragezeichen anstarrte, meinte er schließlich „h,h,h“ und so was wie „grwxxx“, deutete und fuchtelte nach unten und überließ mich den Tiefen. Die geliehene Schnorchel-Brille war ausnahmsweise nicht angelaufen und ich befand mich völlig ungetrübt inmitten zahlloser Haie! Okay, es waren offenbar selbst ängstliche Katzenhaie, aber als über-1-Meter-Prügel, machten die durchaus auch was her. Sonst war da nur geringfügig und wenig spannendes Kleinvieh und ich blieb dann eigentlich nur deshalb länger im Wasser, um die anstrengende Rückruderei hinauszuzögern. Am Strand gabs schon damals einige nette, fast schon touristische, Lokale, schließlich musste ich das Erlebte erzählen und nicht alle waren dort taubstumm. Als ich nach einer Woche, nur kurz vor Bruders Übersiedlung, meine Mutter wieder in Empfang nahm, lobte sie lautstark ihren Großen Gott, fuhr mir auf meiner Enfield zu einer Krokodilfarm und erfreute sich dankbar wie nie zuvor an meiner Gegenwart…


































