26) Neuseeland & Down Under 98

Ich bin kein begeisterter Flieger, auch wenn ich meinen Freund Werni einst begeistert beim Drachenfliegen begleitete und Langstreckenflüge mag ich erst recht nicht, aber der große Wunsch, das andere und gegenüberliegende „Ende der Welt“ zu bereisen, nötigte mich, über diesen Schatten zu springen. Außerdem fasziniert mich der Blick auf die Erde von oben, falls er auch gewährt wird. Das „zwischengelandete“ Singapur interessierte mich kaum, auch wenn ich als Nichtraucher nicht unbedingt Gefahr gelaufen wär, wegen eines weggeworfenen Tschickstummels verhaftet zu werden, aber was nach einem unabsichtlich entwichenen herzhaften Rülpser dort passieren hätte können, man weiß es nicht! Die Zwischenlandung in Australien nützten wir sehr wohl. Bei der Hinreise war’s Sydney, von der Rückreise erzähl ich noch. Die Neugier und das Interesse an Neuseeland teilte ich mit Waltraud und ihrer Freundin Sonja, also gingen wir’s gemeinsam an. Wir starteten mit gröberem Jetlag von Christchurch auf der Südinsel, schipperten begleitet von Delfinen durch die vorgelagerte und von Robben bevölkerte Inselwelt und erprobten abendlich die städtischen Pubs. Um im Land weiterzukommen, gab es eine attraktive Möglichkeit, ein älteres, vielleicht sogar bewohnbares, Auto zu kaufen, um es nach einiger Zeit wieder zu verkaufen. Allerdings waren wir mit nur 4 Wochen Aufenthalt vermutlich besser beraten und günstiger dran, ein gebrauchtes Auto zu mieten. Ein damals 8 Jahre alter 323er Mazda war gut und neu genug für unsere Reise. Die Südinsel mit ihren „Alpen“ war unserem Land streckenweise gar nicht mal so unähnlich, bis auf das umliegende Meer und die Gletscher, die sich bis dahin zogen, mitsamt der arktischen Bewohner. Wir bewohnten meist, wie auch am Fuße des Mt.Cook, Jugendherbergen und mit denen vergleichbare Backpacker-Absteigen, wo es sich auch ganz gut und erschwinglich futtern ließ. Der wunderschöne Milford-Sound lockte uns wieder, an Bord eines kleinen Schiffes, vorbei an imposanten Wasserfällen inklusive Regenbögen, diesen Fjord bis ins offene antarktische Meer zu befahren. Wir besuchten Weingüter, raunzten über die hohen Preise der erworbenen Bouteillen, fanden am Lake Wanaka die sensationelle gleichnamige Privatbrauerei, die wir uns begründeterweise noch viel eindringlicher zu Gemüte führten, durchstreiften die Küste des Abel-Tasman Nationalparks per Kajak und fanden ein paar Tage in und um Wellington viel angenehmer als gedacht. Die Nordinsel mutete sich im Sommer der Südhalbkugel sehr tropisch an, obwohl die Vulkanlandschaften, Heißwassertümpeln und Geysire rund um Rotorua mehr „unserem“ Island glichen. Den sogenannten Schicksalsberg, Mount Ngauruhoe, musste ich natürlich besteigen. Aber viel zu spät! Da ich den bei den zweifärbigen Kraterseen verbleibenden Mädels meinen Rucksack überließ, kam ich recht rasch aufwärts, genoss noch den gerade zu erröten beginnenden Abend am Kraterrand, bevor ich dann vollgas in die andere Richtung steil hinabsurfte. Ich vermutete da nämlich eine deutliche Abkürzung, um ca. 7 km Luftlinie weiter gen Südwesten zu unserer Unterkunft zu gelangen. Den Vulkanhang schon fast bewältigt, hob mich unter all dem losen Geröll ein starrer Felsen komplett aus der Angel und ließ mich den Rest hinunter überschlagen und purzeln, bis ich vor dornigem Gestrüpp endlich zum Liegen kam. Prellungen, Blessuren und eine ordentliche Beule am Kopf erschwerten mein Fortkommen und ich registrierte, völlig verirrt und verwirrt, den Einbruch der Nacht. Das dornige Buschwerk war wie ein undurchdringliches Labyrinth, ziemlich erschöpft resignierte ich bald und aufgrund der nicht unangenehmen Temperaturen begann ich, eine kuschelige Schlafstelle einzurichten. Okay, es dauerte dann doch nicht so lang, bis ich behirnte, dass meine beiden Begleiterinnen wegen meines Nichterscheinens höchstwahrscheinlich schon am Ausflippen waren und tatsächlich erkundigten die sich da schon längst um einen Rettungshubschrauber, wie sich später herausstellte. Ich riss mich zusammen, holte mir beim verzweifelten und völlig finsteren Durchdringen des stacheligen Zeugs noch jede Menge zusätzliche Gratzer und Schürfwunden. Um Punkt 12 Uhr Mitternacht sollte der Heli abheben, um einen Verrückten zu bergen, 7 Minuten davor traf ich blutig, dreckig und sowas von durstig an der meinetwegen noch geöffneten Quartiersbar ein. Auf der abenteuerlichen Coromandel-Halbinsel, ganz im heißen Norden verbrachten wir noch erholsame und heilende Badetage, ehe wir von Auckland nach Cairns im australischen Queensland flogen. Dort war’s noch heißer, da aber der Great-Barriere-Reef vorgelagert war, verbrachten wir die Zeit vermehrt am Boot, wie auch beim Schnorcheln und Scuba-Diven unter bunten Meeresbewohnern und (damals noch halbwegs färbigen!) Korallen.  Per Leihwagen gelangten wir auch etwas ins Landesinnere und waren mehrmals mit Wildwechsel konfrontiert. Den betreffenden Koalas, Dingos und Kängurus konnten wir da ausweichen, in einem entsprechenden Naturpark hatten wir diese lustigen Gesellen dann hautnah. Waltraud & Sonja erkauften sich die entgegengebrachte Liebe noch mittels Futtersacks, bei mir war sie „echt“ und eine ungefütterte süße Kängurudame hat mich dort noch händchenhaltend zum Wagen begleitet. Unser Kontakt zur ursprünglichen Bevölkerung beider Länder blieb überschaubar. Die Maori boten uns eine bunte und nette, aber typisch touristische Show, generell meint man, sie sind sehr anpassungsfähig und dadurch auch durchwegs integriert (obwohl dies durch die vielen, meist westlichen Einwanderer im Laufe der Zeit, eher umgekehrt hätte stattfinden sollen. Oder etwa nicht?). Die Aborigines sind da in unserer Wahrnehmung anders gewesen, vielleicht stolz, nicht käuflich und auch kaum beeinflussbar. Wenn da nicht der von mir und uns verharmloste Alkohol wär. In der Werkstatt eines sehr netten und „trockenen“ Kollegen schmökerte ich und bewunderte seine Arbeit. Die Bumerangs ließ ich aus Verletzungsangst liegen, aber ein Didgeridoo, das er mir in beeindruckender Weise noch vorführte, nahm ich mir mit. Allerdings, bespielt oder geblasen habe ich es, wahrscheinlich mangels Talents oder Puste, bislang kaum, da „blieb ich bei meinen Leisten“…