Endlich nahmen wir uns vor, diesen Sehnsuchtsort im Indischen Ozean zu bereisen & das erwies sich als alles andere als einfach. Die viertgrößte Insel der Welt stellte sich für uns wie ein schwer zugänglicher Kontinent dar. Öffentliche Fernverkehrsmittel waren äußerst dünn gesät und touristische Infrastruktur war fast nicht vorhanden. So benötigten wir für eine von Unwettern heimgesuchte Strecke von 120 km, auf der Ladefläche eines LKWs mit fast einem Meter Bodenfreiheit, über 13 durchgebeutelte Stunden. Im Anschluss gings da noch mühsam als „Außenborder“ an etwas kleineren Vehikeln zur Küste, bis wir endgültig 3 Tage im nirgendwo strandeten. Also blieb bald nichts anderes übrig, als ein Angebot, relativ teuer einen Allradbus samt ortskundigen Fahrer zu mieten, anzunehmen. Wir waren zu sechst und so beschlossen wir, uns das zu leisten, um weiterzukommen. Ein unheimlich armes, aber ebenso oder mehr noch wunderschönes Land mit vielfältigen und liebenswertesten Bewohnern erwartete uns, denen man die geografische Lage zwischen Südasien und vor allem Ostafrika deutlich ansah. Wir kamen zu entlegenen Traumstränden mit entsprechender Unterwasserwelt, durchstreiften riesige Canyons mit bizarren Felsenlabyrinthen, spürten Kattas und andere Lemuren auf, erwanderten den „Big Boby“ im dolomitenähnlichen Andringita-Gebirge, wie auch die einzigartigen Baobab-Landschafen im Süden und entspannten auf der Tropeninsel Nosy Be im Norden, ehe wir uns Zeit für pittoreske Lehmhaus-Dörfer und größere Orte, wie die Hauptstadt Antananarivo, nahmen. Wie immer auf derartigen Reisen, hatten wir diverse Schul-Utensilien mit dabei, die wir u. a. dort an die Straßenkinder versuchten zu bringen. So zeigte ich einer Gruppe Neugieriger, wie man am besten unsere Blei- und Buntstifte spitzt, indem man diese schräg gehalten an halbwegs feinkörnigen Steinoberflächen reibt. Ich mühte mich am Boden kauernd ab und bekam nicht mit, dass einer der Burschen eine ganze Weile schon von hinten zu mir „Monsieur! Monsieur! Monsieur…“ rief, bis er es schließlich wagte, mich mit seinem nagelneuen Hightech-Spitzer zu bewerfen. Viele Kinder waren ans Betteln angewiesen und ließen sich nicht so sehr durch unsere Mitbringsel abspeisen. Als ein höchstens 4 bis 5-Jähriger völlig nackt auf mich zukam und „Monnaie“ wollte, fragte ich, wofür. Er signalisierte nur allzu deutlich, Hunger zu haben und in Erinnerung an Indien, als mir jemand in ähnlicher Situation meinen angebotenen frischen Apfel aus der Hand schlug, ging ich mit ihm zu einem Lebensmittel-Kiosk, wo es durchaus auch Süßigkeiten gegeben hätte, und ließ ihn auswählen. Er entschied sich für eine simple Schale Reis und ich brachte ihn damit beschämt und mit feuchten Augen wieder in seine Straße. Natürlich begeisterten uns die madagassische Musik samt deren vielseitige Akteure. So konnten wir nicht anders, als uns sogenannte Valihas, mit Saiten bespannte Bambus- oder ähnliche Holzrohre, sowie riesige dickbäuchige Djemben, an einem großen Markt zu besorgen. Spätestens bei der mühsamen Heimreise bereuten wir dies dann doch noch ein wenig…











