Ein paar Jahre zuvor hatte uns Madagaskar schon Lust auf noch mehr des südlichen Indischen Ozeans gemacht. Für dieses riesige Eiland war unsere verfügbare Zeit eigentlich viel zu gering. Die benachbarten viel kleineren Inseln Mauritius und Reunion wären also idealere Ziele für eine übliche Urlaubszeit, die diverse Arbeitgeber nicht zu sehr auszucken ließe. Wir packten unsere langjährige Freundin Ulli mit ein und beackerten beide Tropenparadiese recht gründlich. Die naheliegende, aber damals noch kaum erschlossene 3. Insel Rodrigues ließen wir vorerst jedoch links liegen.

Reunion ist französisches Überseegebiet, von Vulkanen unterschiedlichen Alters bestimmt und einer davon noch aktiv, über 3.000m höchste Erhebung, extrem grün und das hat einen guten Grund. Es regnet entsprechend viel, was wiederum zu unzähligen spektakulären Wasserfällen führt. An einigen von diesen vorbei, fuhren wir über eine Stunde schier endlose Serpentinen von 0 auf 2000 zum Kraterrand, von wo sich ein unglaublicher Blick in die riesige Caldera bot.

In dieser ragte ein riesiger Tafelberg heraus, der an seinen Hängen eine halbe Ewigkeit schon mit Menschen besiedelt ist, die nur wenige Kilometer Luftlinie vom Meer entfernt, dieses aber noch nie gesehen haben. Die extrem steile innere Kraterwand stellte sich für normal sterbliche als nahezu unüberwindbar dar. Einst konnte man sehr wohl autark und selbstversorgt drin leben, heute gibt’s entsprechende Betreuung durch Helikoptereinsätze. Die Küsten sind eher rau und falls doch sandig, ist die Brandung nicht zu unterschätzen und Hai-Alarm steht an der Tagesordnung. Unsere Schnorchel-, Schwimm- und Badeeinsätze verlegten wir auf Mauritius, das uns durchaus überraschte, nicht nur mit sündteuren Resorts an seinen Stränden bepflastert zu sein. So konnten wir unter anderem in einem ursprünglichen Fischerdorf fernab von allen Touristen ein kleines Strandhaus beziehen, woraus ich den Tag schon sehr zeitig mit einem wunderbaren Morgenschwumm beginnen konnte. Beim zurückstrampeln, gabs außer mir nur Streunerhunde, die mich neugierig umzingelten und beschnupperten, als wäre ich einer von ihnen. Und tatsächlich zog ich mehrmals mit denen durchs Dorf und bis zum Markt, wo die meisten Bewohner auch anzutreffen waren. Ostafrikaner, Inder, Malaien, oder einfach Mauritier, deren Musik, Kultur und Kulinarik ganz ähnlich verortet ist, wie es die Lage der Insel schon vermuten lässt. Eigentlich will ich wieder mal dort hin und falls sich dann die Auswüchse des Tourismus doch zu ungemütlich zeigen sollten, wird wohl endlich Rodrigues herhalten müssen.
















