37) Fernwärme, Hundertwasser & Jazz

Mitte der sogenannten Nullerjahre, nach einem Jahr des öfteren Musizierens und einem zweifelhaften Teilzeitjob, fand ich im Kurier ein Inserat der Fernwärme-Wien mit interessanter und vielseitiger Stellenbeschreibung in der und für die Müllverbrennungsanlage Spittelau. Die Idee aus dem Wiener Mist & Dreck Energie & Wärme (bald auch Fernkälte!) für immer große Teile der Stadt zu produzieren, gefiel mir sehr. Hundertwasser-Fan, Besucher der örtlichen Jazzfeste und Leser der dort aufgelegten Stadt-Wien-Bücher war ich ohnehin schon.

Am selben Tag noch tauchte ich in der betreffenden Abteilung auf, raunzte mich rein und dank der Fürsprache meiner späteren KollegInnen Claudia, Robschi, Haunni, Fredi & Mucki, ergatterte ich die Hackn und sie wurde der letzte und längste meiner vielen Jobs. Anfangs hauptsächlich in der Infrastruktur, war ich dann bald mal für alle möglichen Angelegenheiten unterwegs. In letzteren Jahren unter anderem auch in Sachen Geothermie, nachdem bei Aspern in ca. 3000 Metern Tiefe ein riesiges Heißwasservorkommen entdeckt wurde. Bis 2028 sollen die ersten Anlagen betriebsbereit sein, um längerfristig bis zu 200.000 Haushalte zu versorgen.

Und so nebenbei, wisst ihr, was das riesige Kappl am Müllverbrennungsgebäude soll? Kein Buch, keine Biografie, kein Ratespiel! Als der friedens- und einfallseiche Fritz Hundertwasser mit den Fernwärme-Verantwortlichen und Technikern über die Umgestaltung der Anlage debattierte, reichte es ihm irgendwann ob deren vermeintlicher Mutlosigkeit. Er griff nach seiner wohlbekannten Kopfbedeckung, schmiss sie resignierend in die Runde und hat sozusagen „in Huat drauf g’haut“. Dies nahmen die gar nicht mal so unmutigen Fernwärmlinge auf und ließen das überdimensionale Double des Künstlerkappls prominent dorthin platzieren, wo es immer noch thront. Die Fernwärme-Openairs im Rahmen des Jazzfest Wien kamen dann erst in den Pandemiezeiten ins stocken, bis dahin hatten wir unglaubliche Acts wie James Brown, Herbie Hancock, Little Feet, Solomon Burke, David Sanborn, Manhattan Transfer, Matt Bianco, Tower Of Power, Ruthie Foster, The Temptations und Al Jarreau zu Gast und viele meiner Freunde & Innen waren dabei.

Aktuell schwirrt folgende Idee durch diverse Gehirne: In der Nähe unserer zwischenzeitlichen Meeresresidenz an der istrischen Ostküste befindet sich ein riesiger und der malerischen Umgebung abträglicher Schlot, der als Kohlekraftwerk lange genug seinen Dienst leistete. In jüngerer Zeit, ob dem Tourismus geschuldet oder nicht, erwog man ihn stillzulegen und abzutragen. Geht aber nicht, da er mit 330 Metern (knapp mehr als der Eifelturm) als höchstes Gebäude Kroatiens Industriedenkmal und Wahrzeichen sein muss, somit erhalten und mit neuen Filtern auch in Betrieb bleibt. Sehr viel Wasser umgibt diesen Ort namens Plomin, Hundertwasser steht allerdings nicht mehr zur Verfügung, um diesen Rauchfang zu behübschen. Im Dorf gibt’s aber einen äußerst innovativen Künstler, dessen Formen und Figuren dem umstrittenen Monsterdödel ganz gut stehen würden und seinem Status als Wahrzeichen ganz im Sinne unserer Wiener Fernwärme-Müllverbrennungsanlage zuträglich wären. Eine mögliche Finanzierung und die auf Grund der unglaublichen Höhe aufwändige Umsetzung steht vorerst leider noch auf einem anderen Blatt dieser Geschichte…