49) Namibia, Südafrika

Es war mehr Katharina’s Traum, den wir mit dieser Reise verwirklicht hatten. Ähnlichen exotischen Tieren bin ich schon ausführlich in Tansania begegnet und ja, es war eh nett, aber eigentlich erfreu ich mich schon an Straßenhunden, die gewillt sind, mich in ihre Gang miteinzubeziehen, oder an irgendwelchen von den meisten Leuten kaum beachteten Kleinindividuen. Sie recherchierte und fand eine geeignete Möglichkeit, dieses Land auf eine für uns beide lukrative Weise zu erfahren. Als Leckerli bekam ich noch die Miteinbeziehung Südafrikas, das natürlich ebenso nicht arm an beeindruckenden Kreaturen ist und zusätzlich mit ganz anderen kulturellen Besonderheiten aufwarten kann und damit meine ich nicht einmal die köstlichen Weine dortiger Domaines. In der namibischen Kapitale Windhoek übernahmen wir einen dort recht üblichen und geeigneten Hi-Lux Pickup mit Dachzelt, Gasflaschen und jeder Menge Survival-Sachen und Fressalien. Von zaus mit dabei hatten wir noch mehrere Nutella-Gläser, eine harte Währung, wie sich noch herausstellen sollte! Das „Eingrooven“ ins ehemalige Deutsch-Südwestafrika fiel uns dank eines fast bayrisch anmutenden Biergartens mit sehr würzigem Selbstgebrauten recht leicht und angenehm. Die Fahrt durch‘s riesige und mit nur ca. 3 Millionen Einwohnern recht dünn besiedelte Land gestaltete sich auch dank der holprigen Gravelroads und Sandpisten durch atemberaubende Landschaften äußerst spannend.

Häufigen Wildwechsel bespielten halt keine Hasen und Rehe, sondern Giraffen und Zebras. Wenn es mal besonders kurvig wurde, entriss mir Kathi das Steuer und setzte ihren süffisantesten Lächler auf. Die Nächte in sternenklarer Wildnis, völlig frei von Lichtverschmutzung und Zivilisationslärm bleiben uns unvergesslich. So unvergesslich, wie ein nächtlicher Harndrang, dem ich nicht nachzukommen wagte, nachdem ich die riesigen Tatzenspuren im Sand sah, als ich die Leiter vom Zelt runter stieg. Weihnachten war für mich Muffel besonders stimmungsvoll. Wie wir gerade die Region Spitzkoppe ansteuerten, lagerte ein Bub am Straßenrand und deutete sowas wie mitfahren zu wollen. Mir war natürlich klar, dass er da nicht alleine bleiben würde, aber trotz Platzmangel wollte auch Kathi die inzwischen schon 2 Buben unbedingt mitnehmen. Als wir schließlich losfuhren, waren wir zu zehnt! In einem vollbepackten Pickup wohlgemerkt! 5 Kinder, deren Eltern, ein quietschlebendiges Hendl und wir beide zwei.

Es bedurfte zwar eines kleinen Umweges, aber die Strecke zum Dorf der Großeltern, wo unsere Autostopper diese ehrwürdigen Tage verbringen wollten, gestaltete sich ausgesprochen kurzweilig. Sie amüsierten sich über unsere Autoradiomusik, wie auch über uns selbst und wir hatten Spaß mit der „gymnastikalen“ und raumfüllenden Art der gemeinsamen Kommunikation. Wildtiere, die vor uns die Fahrbahn querten, ließen sie unberührt, selbst die Kinder, das waren sie gewohnt. Aber über unsere Reaktion darauf, dass wir z.B. uns einbremsten und hektisch nach der Kamera suchten, ließ sie hellauf „loskudern“, was auch das Federvieh mit frechem gackern quittierte.

Für mich folgte danach das tollste Weihnachtsmahl ever, ein gegrillter Kukuruz unter einer unvorstellbar grellen und klaren Milchstraße. Danke Kathi! Sehr spannend war natürlich das Treiben der Elefanten und Nashörner, mehrerer „Katzen“ und sonstiger Kollegen in der Etosha-Pfanne. Wir lagen auch auf abendlicher Lauer am Wasser, um per Feldstecher den sehr friedlichen, aber geordneten „Changin‘ of  the guards“ der Big 5 mitzuverfolgen.

Die sandigen Tage und Nächte in der Namib und die Wanderung am Waterberg wie auch das „waten“ durch die Canyons genossen wir sehr. Aber einen Höhepunkt dieser Tour haben wir meinen Schwiegereltern zu verdanken. Sie sponserten uns einen mehrtägigen Aufenthalt zwischen Swakopmund und Walvis Bay, wo wir an Flamingo-Clans vorbei mit dem Kajak durch eine riesige Robben- und Seelöwen-Kollonie schippern konnten. Diese ließen sich überhaupt nicht irritieren, schwammen offenbar freudig um uns herum und einige, vor allem jüngere, Welpen quasi, bissen in unsere Paddel oder versuchten an Bord zu gelangen, um sozusagen als „Sweet hitchhiker“ kräftesparend wieder an Land zu kommen. Wunderschön! Ingrid, sei gepriesen! Halleluja Othmar! Wir besuchten noch Himbas und andere traditionelle Kulturen und wohnten auch deren Rituale bei. Sogar der Einladung zu einer pompösen und farbenprächtigen Hochzeit entkamen wir nicht. Da wir die Kamera ohnehin dabei hatten, besorgten wir die fotografische Dokumentation, die wir den HauptakteurInnen danach wie angekündigt zukommen ließen.

Die abschließende Rückgabe des Wagens war uns peinlich, da wir’s mit verbogener und zerschundener Stoßstange tun mussten. Ja, da hatte wohl jemand von uns (na wer wird denn das gewesen sein?) beim abendlichen Einparken einen gröberen Felsen übersehen. Während der strengen Begutachtung und folglichen Beanstandung erblickte der Vermieter unsere Nutellagläser, entwickelte ein frohes Leuchten in seinen Augen und setzte schließlich mit einer schüchternen Frage an, ehe wir ihn jäh davon erlösten und ihm die Objekte seiner Begierde überließen. Der Schaden war plötzlich kein Thema mehr und wir beschlossen demütig, uns in Südafrika, falls überhaupt, ein kleineres und unauffälligeres Vehikel auszuleihen.

Dort angekommen, nämlich in Kapstadt, verweilten wir erstmal für ein paar Tage, genossen die wunderschöne Stadt samt der spannenden Umgebung von Tafelberg bis zum Kap der Guten Hoffnung, wo sich Atlantik mit Indischem Ozean trifft und checkten in einem gemütlichen kleinen Quartier bei netter Vermieterin und ihren 5 verschiedenfärbigen Labradoren ein. Diese sorgten schon sehr penibel dafür, dass wir den Tag nicht verschliefen, indem sie uns zeitig genug ihre feuchte und wedelnde Aufwartung machten. Es war Sylvester, aber auf Grund der Trockenheit gab es ein Böller- und Feuerwerksverbot, das den Abend sehr entspannt und nach einem einfachen Abendessen mit exzellenter Weinbegleitung (oder war’s Bier bei mir?) sehr angenehm ausklingen ließ. Wir fuhren dann, wie angekündigt per Kleinwagen, die „Gardenroute“ entlang der Küste ostwärts, besuchten ein größeres Township, wo wir von wegen Apartheit mit der zweifelhaften Historie wie auch mit der angespannten Gegenwart sehr deutlich konfrontiert wurden, weiters eine belebte Pinguinkollonie und ein spezielles Raubkatzen-Reservoir. Weingüter von Robertson bis Stellenbosch, eine originelle Privatbrauerei bei Knysna, bebadbare Wasserfälle und beinahe weiße und höchstens von Zebras (also auch a bissl Schwarz dabei) besuchte Traumstrände, die je weiter gen Osten und vom kalten Atlantik entfernt, endlich zum Schwimmen taugten. Wenn da nicht permanent Warnungen vor Weißen und anderen Haien unser Ansinnen durchkreuzten. In Port Elizabeth gaben wir unser „Schpuckerl“ diesmal unversehrt zurück, enterten den Flieger, der uns im äthiopischen Addis Abeba noch einen recht angenehmen Zwischenstopp bescherte und träumten noch lange von alledem…

Addis Abeba
Simien-Berge
Die Zwischenlandung in Äthiopien ließen wir nicht ungenützt!