51) Vietnam, Vietnam

Um möglichst direkt dorthin zu gelangen, hatten auch wir uns in diese Abhängigkeit zu begeben, nämlich mittels eines Zwischenaufenthaltes in Peking. Schon beim Landeanflug kamen meine Vorurteile geballt zu Tage. Alle Rasenflächen leuchteten metallissee-neongrün, da alles herbstlich welke Gras derart besprüht wurde. Und die sogenannten Peoplemover als Transportmittel, die uns wie Amazon- oder Temu-Pakete bewegten, ließen auch keine Freude aufkommen. Die schlatzenden Unfreundlichkeiten der „Pekinesen“ will ich gar nicht erst erwähnen… oder doch!?

Keine Frage, dass dieses riesige Land auch spektakulär und wunderschön sein kann, aber als wir dann beim ersten Bier im vietnamesischen Hanoi Einheimische über China spotten hörten, fühlten wir uns schon ausreichend geborgen und willkommen. Diese Stadt erwies sich als äußerst quirlige, aber angenehme u. gemütliche erste Bleibe für uns. Nicht nur, aber schon auch auf Grund des sensationellen Bia Hoi, dem täglich privat in unauffälligen Kellern und Erdgeschoßen naturbelassen und unkonserviert gebrauten Hopfengetränks, das spätestens um 5 Uhr nachmittags geleert wurde. Länger hätt es sich auch kaum gehalten und mit nicht einmal 50 umgerechneten Cents war’s zusätzlich schwer, dem zu widerstehen. Von hier aus war’s auch nicht weit, um eine lang schon ersehnte mehrtägige Schifffahrt durch die Halong-Bucht zu starten, durch deren spektakuläre „Dödeln“ wir durchnässt auch noch per Kajak konnten trödeln.

Die nachfolgende heftige Erkältung wurde ich erst in südlicheren Gefilden bei Hoi An wieder los. Wir fanden ein sehr nettes Quartier mit zur Verfügung gestellten Fahrrädern, um uns standesgemäß wie die dortigen Bewohner bewegen zu können. So wurden wir auch zu einer relativ ausladenden Hochzeit eingeladen. Das Land ist mit ca. 600.000 Beschäftigten weltgrößter Pfefferproduzent, also mussten wir natürlich eine derartige Fabrik besuchen und einiges von den grauen & schwarzen Körndln erwerben. Auf Phu Quoc, ganz im Süden, war’s ein geliehenes 100ccm-Moped, das uns verhalf, dieses tropische Eiland gründlich zu erforschen. Wie schon in Thailand, saß ich auch hier vorwiegend auf der Rückbank, danke Kathi!? Als ich zuvor noch am Steuer als Linksabbieger vor einer roten Ampel stand und bei Grünwerdung nicht sofort, wie die einheimischen Rennfahrer, den vorrangigen Gegenverkehr provokant schneidend lossprintete, sondern letzteren erst mal vorbeiziehen ließ, meinte sie lautstark „Du gefährdest unser Leben!“ sie hatte tatsächlich die dortigen Gepflogenheiten bald verinnerlicht. In Ho Chi Minh, dem ehemaligen Saigon, überquerte sie vielspurige, überwiegend von Einspurigen befahrene Hauptstraßen, äußerst selbstbewusst und ohne zögerlich nach links und rechts zu blinzeln. Sie überlebte!

Überlebt haben wir beide auch die Fahrt mit der längsten Seilbahn der Welt, 8 Kilometer, die atemberaubend über entlegene Fischerdörfer die südlichsten Ausläufer Vietnams umspannten. Die heimische, also für uns heimische, Vorarlberger Firma Doppelmayr errichtete diese 2018 schon und wir bereuten es keineswegs, sie schwer touristisch, aber sehr zufrieden frequentiert zu haben. Lese gerade, dass Jimmy Cliff gestorben ist „Vietnam, Vietnam“, schön, dass wir ihn mehrmals hören und sehen durften und ich hoffe, er bekam, was er wirklich wollte…