Erster Kontakt mit dieser Region war eine der ganz wenigen Familienreisen der frühen 70er nach Umag an Istriens Westküste. Von Kroatien war da keine Rede, wir befanden uns in Jugoslawien und mein nicht viel weniger als ich minderjähriger Bruder verliebte sich in eine „tschechoslowakische“ Dana. Der Eiserne Vorhang war noch für ca. 16 Jahre zu und Bruders neuer Schwarm aus Bratislawa durfte zwar an den Balkan, aber nicht in den Westen, also auch nicht nach Österreich und er natürlich nicht in den Osten. Eine „Tragödie“, die er in diesen 2 Wochen damals zu Gunsten Danas mit familiärer Abwesenheit zu kompensieren versuchte. Mit anderem Bruder und einer Freundin gings dann 2 Jahre später nach Punta Kriza auf der Insel Cres. Ich versuchte da eine sich anbahnende Zweisamkeit so wenig wie möglich zu stören und konzentrierte mich auf Wasser, Strand und die vor allem nächtliche Schmetterlingswelt.

Einige Orte der Umgebung, die wir damals besuchten, wie Valun und Mali Losinj, blieben mir in schöner Erinnerung, so steuerte ich ab Anfang 80 halbwegs regelmäßig mit meinen jeweiligen Freundinnen und Freunden diese und andere „Kvarner Inseln“ an. Besonders die Stadt Cres, das Bergdorf Lubenice, die Blaue Grotte samt dazugehörigen Strand und die Fischersiedlung Rovenska hinter Veli Losinj hielten unser Interesse immer wieder am Brodeln. Mali heißt übrigens „klein“ und veli heißt „groß“, aber mit den beiden Hauptorten auf Losinj verhält es sich, alters- oder entstehungsgeschichtlich bedingt, genau umgekehrt! Irgendwann durchpflügten wir die Creser Berge mit unseren Enduros. Selbst hatte ich anfangs keine eigene, aber die liebe Edeltraud lieh mir ihre KLE-Kawa, vermutlich war ihr das ohnehin zu blöd oder anstrengend, was wir da aufführten. Ich lernte letztere kennen, als ich in der Celeste-Jazz-Bar nachtkellnerte. Sie fragte mich mal ungeniert nach einem oder eigentlich meinem Job dort, was ich erst mal lachend verneinte. Nachdem sie begann, die Aschenbecher zu leeren und die Tische blank zu putzen und sie nicht leicht mehr loszuwerden war, verriet ich ihr eine damalige gut befreundete „Gastrospezialistin“, die im Cafe Lange und im Käuzchen fuhrwerkte. Das war die in früherem Kapiel schon erwähnte Lucia K und es stellte sich heraus, dass die beiden, warum auch immer, sich schon kannten und fortan war Edi unser aller „goschade“ Käuzchenkellnerin. Im Laufe der Jahre, „Jugoslawien“ war inzwischen Vergangenheit, eroberten wir auch Dalmatien, sein teils gebirgiges Hinterland, wie den Velebit, die Paklenica-Schluchten, sowie die Plitvicer- und die Krkafälle. Öfter aber zog es uns an und auf die vorgelagerten Inseln, die ich inzwischen fast alle halbwegs gut kenne. Bis auf die entlegene, aber vielleicht sogar allerschönste, deren Name hier „vorsichtshalber“ unerwähnt bleibt, will da ja demnächst selber und möglichst allein mit Kathi hin …Chewing gum!

Denkt man sich den russischen wie auch den amischen Einfluss weg, dann bleibt auch Montenegro mit seiner Bucht von Kotor, den dortigen Austern mit Weißwein und dem köstlichen Niksicko-Pivo ein begehrtes Ziel. Das alte Zentrum des Küstenstädtchens Budva, malerisch schön, aber die komplett verbaute und verschandelte Umgebung muss man mühsam ausblenden. Ulcinj im Süden wirkt schon sehr albanisch und hat was Gemütliches, ungemütlich wurde es nur, als ich mal Waltraud und ihrer Freundin Olivia auf den dortigen FKK-Strand folgte. Dieser entpuppte sich als reiner Frauenstrand und mit mir wurde die Angelegenheit natürlich unrein. Mehrere mittelältliche Damen, um nicht Furien zu sagen, jagten mich, lautstark „nix Mann!“ brüllend, mit ihren feuchten Handtuchfetzen fort. Nebenan gabs gottlob noch wilde und freie(!) Natur und sogar ein improvisiertes Standl, an dem ich als „Entschädigung“ noch hervorragenden Rotwein bekam. Natürlich versuchen selbst in Albanien Spekulanten ihr Glück, noch aber kann man ein wunderschönes und vom Massentourismus verschontes Land mit ganz lieben und un- oder kaum verdorbenen Leuten vorfinden. Lustige und herzliche Leute sind’s, die man z.B. in Shkodra beim gleichnamigen riesigen See und den Dörfern der Umgebung, die wir mit’n Radl durchstreiften, antrifft. Und die Albaner sind erst recht eifrige Radfahrer, aber auch Mercedespiloten (unsympathisch!), allerdings Piloten recht alter und immer wieder zusammengeschusterter Mercedeskarren (sympathisch!). Die teilweise 3. Welt -Atmosphäre löste bei mir natürlich Wohlbefinden aus. Kathi wurde eingeladen, eine Moschee zu besuchen, ich Skeptiker ging derweil auf ein Bier. Sie verbuchte es als durchaus interessantes, nettes und menschenfreundliches Treffen und ich hatte mein Pogramm ähnlich empfunden. Komani Stausee und Shala-Fluss per Boot mit Picknick entpuppte sich als sehr sehr leiwand. Die Küsten, falls sie nicht verdreckt sind, denn Umweltbewusstsein ist noch nicht wirklich ein Thema dort, werden von den meisten Reisenden hoch gelobt. Unten am Weg nach Griechenland ist ja auch Korfu vorgelagert und das Meer ist wohl ident. Bald und vor allem, wenn’s so günstig bleibt, wird auch diese Gegend überrannt sein…


Heimatliche Gefühle, die ich ja nur sehr selten entwickle, sind und waren mir auch in Kroatien „passiert“. Jahrelang nistete ich mich mit allen möglichen Leuten bei Mama & Papa Turcic im alten Zentrum von Cres ein. Berühmt war deren selbstgebrannter köstlicher Feigengrappa, an dessen Entstehen ich gemeinsam mit Spezialfreund Gerhard „Sumsi“ S auch mal beteiligt war. Die Trauben kamen von der dalmatinischen Verwandtschaft und die Feigen lieferte der riesige Baum im Hof. Wir waren äußerst willige Handlanger und wurden natürlich mit Naturalien bezahlt. Sumsi, diese Krätzn spannte mir einst eine Freundin aus, diese aber nahm sich jede Zeit und Geduld der Welt, um mich mit „weisen“ Erläuterungen so weit bei Laune zu halten, dass er noch mein bester Freund wurde, mit dem ich dann auch vieles andere teilen durfte. Er fehlt mir! Später entdeckte ich das „Blaue Haus“ zwischen Nerezine und Sveti Jakov auf Losinj, das wir mehrmals und zu mehrt bezogen. In einer fjordartigen kleinen Bucht, direkt am Wasser, oder fast schon im Wasser, besser geht’s nicht! Statt morgendlicher Dusche gab‘s den Sprung ins tiefblaugrüne Meer und das klarerweise nackert, da außer vielleicht einem oder zwei netten und toleranten Fischern niemand zugegen war. Per Kajak kam man auch sehr g’schwind zu Einkauf oder Umtrunk.





An der steileren istrischen Ostküste, wo eine der schönsten Buchten des Landes ruht, bezogen wir dann auf Betreiben Katharina’s einen Teil der alten Stadtmauer, wohin wir in Kürze auch wieder-kehren. Brsec, Bersecchio oder Brischitz heiß das nette Dorf mit seinen ebenso netten und feierlaunigen Bewohnern. Das vielfältige Völkergemisch Istriens ließ die Menschen dort gar nicht erst zu rundum übliche Nationalisten werden. Nerven können höchstens die hauptsaisonlichen Touristen mit ihren verblödeten Ansprüchen. Der eigentlich versteckte Strand, den ich in den 80ern selbst im August noch so gut wie allein vorfand, ist jetzt oft unangenehm voll und laut. InfluencerInnen schickten Fotos davon an eine ignorante Tausendschaft und wir waren genötigt, einen oder zwei noch viel verstecktere geile Zugänge zum wunderschönen Mare oder Mora zu suchen. Wir fanden und trafen dort für adriatische Verhältnisse auch eine üppige Unterwasserwelt an. Berge, Wasserfälle, ein unglaublicher Felsenpark in der näheren Umgebung, Weingüter wie auch Olivenhöfe und eine immer einfallsreicher werdende Gastronomie veranlassen uns, trotz zuvor erwähnter Abstriche, ziemlich sicher weiter dorthin „heim“ zu fahren…





















































