„My father was a gambler down in Georgia and he wound up on the wrong end of a gun.“ Nein, mit dieser Allman-Brothers -Bio kann ich nicht aufwarten und den Gewehrschüssen konnte mein Vater gottseidank entkommen. Nicht allerdings der russischen Gefangennahme in Hitlers Krieg. Bevor er in diesen zog, war er verheiratet, klarerweise nicht mit meiner Mutter, das ginge sich schwer aus. Seine Frau vermutete ihn auf dem Schlachtfeld gefallen, nachdem er 1945 nicht zurückkehrte und sie orientierte sich irgendwann anderwärts. Später, nach doch noch erfolgter Freilassung und Heimkehr, fand er sich vor beendeten Tatsachen wieder. Dadurch erst konnte er meine um einiges jüngere Mutter „entdecken“. Er war Zuwanderer! Vom fernen Waldviertel zu uns gewandert, da er hier als Lehrer anheuerte. Vielleicht war er sogar irgendwann auch halbwegs integriert da, oder auch nicht, wer weiß das schon!?



Mutter’s Vorfahren sind meines Wissens aus Siebenhirten knappe 20 km in den Westen, nach Ernstbrunn emigriert. Ob die politische, wirtschaftliche oder überhaupt Flüchtlinge waren, entzieht sich meiner späten Kenntnis. Sie selbst hatte natürlich auch ihre Kriegsgeschichte. Als 14-jährige, war sie samt ihrer Mutter und den älteren Schwestern 1945 von den Russen in ihrem Versteck entdeckt und vergewaltigt worden. 2 ihrer Brüder sind davor schon in Russland gefallen und einem weiteren sind dort die Zehen abgefroren, was ich auch schon früh mitbekommen habe. Die davor erwähnten Dinge weiß ich erst seit kurzem, wie so viele andere Dinge auch.
„You’ve thrown the worst fear that can ever be hurled, the fear to bring children into the world. For threatening my baby unborn and unnamed, you ain’t worth the blood that runs in your veins“ So sehr ich den damals entstandenen Russenhass nachvollziehen kann, die Täter und Auslöser wie Verursacher auch dessen, waren die Nazis, nicht nur die Deutschen, auch und gerade die unsrigen Verdränger wie Leugner und die 200.000 ihrem Führer und seinen menschenverachtenden Lügen und Hetzereien zujubelnden Landsleute am „Heldenplatz“, von denen’s nachher keiner gewesen sein wollte! Werden es die AFD- und F-Fanatiker beim nächsten „danach“ gewesen sein wollen??? Welch eine Ironie, dass der Komplize, Partner & Gönner soeben genannter Hassprediger-Parteien, sowie Gefährte jener im Krieg gegen Europa und unser aller Freiheit, Massenmörder Putin dieses unter seiner Geiselhaft befindliche Russland heute ähnlich versucht zu positionieren, wie es die Nazis mit deutschen Landen damals taten. Noch nie wurde an meinem mühsam erarbeiteten Pazifismus derart gerüttelt wie heute. Nach jahrzehntelangen Forderungen, die Welt abzurüsten, müssen wir heute offenbar das totale Gegenteil akzeptieren. Danke, Vladimir! Drecksau!! Danke, ihr unerträglich vertrottelten Kotzbrocken von Wählern der Fäkalien-Partei Österreichs. So weit, so schlecht…
„Man kann durchaus seine Heimat lieben, ohne die anderen hassen zu müssen!“ Außer knappe 7 Jahre lang meine mir gegenüber äußerst tolerante Großmutter mütterlichseits, hatte ich keine Großeltern je kennengelernt oder erlebt. Mutter’s Vater soll ein Waisenkind gewesen sein und ist als Lehrling widerwillig ins Fleischergewerbe gebracht worden. Einer seiner Söhne, mein Onkel, war Assistent unseres damaligen Kanzlers Leopold Figl, ehe auch er angeblich widerwillig die Fleischhauerei in Ernstbrunn übernahm. Nebst den beiden Weltkriegsopfern gabs noch 3 Geschwister meiner Mutter, die dann bald mit ihren Familien in Wien lebten. Meingott, Mam hat einst soo gut gekocht & erst kürzlich erzählte sie mir wieder mal, dass ich als Kind regelmäßig ihre Apfelstrudel und andere Mehl(ing)speisen zu alten und kranken Leuten im Ort brachte. Vater‘s Vater, natürlich auch ein Waldviertler, sei zum Leidwesen seiner Frau ein dem Rebensaft nicht abgeneigter Heurigenmusikant gewesen, wie meine Tanten, also Vater’s Schwestern, zu erzählen wussten, als sie meine Ambitionen, ein Instrument lernen zu wollen, bemerkten. Mein Vater kam, wie schon erwähnt, als Deutschlehrer nach Ernstbrunn, bevor er meine Mutter als Wurstsemmel-Dealerin kennen und lieben lernte. Er und seine beiden älteren Brüder waren vor allem politisch sehr konträr. Ein Bruder, da er viel häuslicher und „normaler“ als mein Vater war und deshalb zum Lieblingsschwager meiner Mutter wurde, war Nazi. Der andere war praktizierender Sozialdemokrat und mein Vater selbst, ein ziemlich hellhäutiger schwarzer und fast schon militanter Christdemokrat, war tatsächlich nicht allzu oft zu Hause. Als nach meinen beiden älteren Brüdern ich noch und endlich als Mädchen ersehnt war und nach Wunsch der Mutter „Regina“ heißen sollte, meinte er nur trocken „na, daunn is’s g’scheida, es wird a Bua!“. Gut, ich wurde dann wenigstens nach dem örtlichen Pfarrer benannt. Vorerst, denn als meine Eltern dann den so besonders coolen und modernen Namen meines älteren Cousins registrierten, wurde ich nachträglich zum Peter. Die eher seltene Anwesenheit meines Vaters, die meine Mutter heute noch beklagt, war für mich nicht so sehr ein Problem, kannte ich es ja auch nicht anders. Auch wenn Eltern meiner Freunde oft zusammen anzutreffen waren, hatten sie sich meist auch nichts zu sagen und wenn doch, dann mitunter nicht so sonderlich harmonisch. Immerhin nahm mich mein Vater gerne mit zum Schwammerlsuchen, wo wir uns auch das eine oder andere Mal verrannten, was mir nichts ausmachte, da ich, noch lange nicht 18-jährig oder Führerschein inhabend, dann über Umwege sein Auto suchen und ihn auch damit „rausholen“ durfte. Auch zu einigen seiner Freunde, unter denen auch die Weinviertler Literaten Lois Schiferl und Anton Th. Dietmaier waren, durfte ich mitfahren, manchmal auch links vorne. Jahre später konnte ich mich noch revanchieren, indem ich ihn zu einem Gedenkfest für Theodor Kramer, einem seiner dichterischen Idole, nach Niederhollabrunn mitnahm. Mein Hauptinteresse daran lag mehr an der Mitwirkung des von mir damals „viel gerühmten“ deutschen Folk-Duos Zupfgeignhansl. „Andere, die das Land so sehr nicht liebten“, sangen sie nach einem Gedicht von Kramer, das den von den Nazis verursachten Grund seiner Flucht nach England umschrieb. Vielleicht unterstreicht dieses Gedicht oder Lied für mich heute noch meine eigene Zwiespältigkeit zur Heimat, zum Weinviertel, zu Österreich…










