02) Kalkwerk & Naturhistorisches Museum

Schon als Kind half ich der lieben Gärtnerin in ihrem nahe gelegenen Betrieb in Ernstbrunn, weiß heut allerdings nicht mehr so genau, ob ich auch nützlich sein konnte, oder nur im Weg stand. Sicherlich war’s eigennützig, da ich doch leidenschaftlich in der Erde rumwühlte. Um das Taschengeld tatsächlich aufzubessern, jobbte ich am Ende der Hauptschulzeit ferial im Kalkwerk. Da empfahl mich unser netter Nachbar dem dortigen Labor und diese Arbeit gefiel mir sehr. Konnte mir tatsächlich vorstellen, dort mal fix anzuheuern. Zwischendurch brachte mir mein „hochbauender“ Bruder Wolfgang gut entlohnt bei, für Präsentationen benötigte, mit leicht bearbeitbaren weichen Materialien, maßstabsgetreue Modelle seiner Projekte zu basteln. Später in der Gym-zeit ergatterte ich einen Ferialjob im Naturhistorischen Museum. Der über 70-jährige Doktor-Doktor Kasi war Direktor der Insektenabteilung dort und er überließ mir das Präparieren von hauptsächlich Schmetterlingen, da ich damit einiges an Erfahrung hatte, nachdem ich das von Wolfi begonnene Hobby des Dokumentierens und Sammelns von Schmetterlingen übernahm und dann mit meinen damals besten Freunden Rudi D und Gerhard „Lurch„ L abenteuerlich geteilt hatte. Der 2 Jahre ältere Lehrerin- u. Professor-Sohn Rudi brachte mir das Mopedfahren bei und Lurchs Eltern belieferten das gesamte Weinviertel und mehr mit ihrem selbst produzierten Rum. Ich wurde später gefragt oder gebeten, diese Sammlung (nicht die des Link-Rums verschiedener Jahrgänge, sondern die der Butterfliegen!) dem NÖ-Weinlandmuseum zu überlassen, dem ich selbstverständlich zustimmte, auch um mich nicht mehr der Konservierung und Pflege widmen zu müssen. Davor hatte ich, wie so viele, anständig Briefmarken gesammelt (keine Ahnung, wo die abgeblieben sind!), danach noch recht ambitioniert Steine aus aller Welt & noch später und noch ambitionierter nur noch Bierdosen, ebenso aus aller Welt. Hey, wo ist eigentlich die Modelleisenbahn? Erinnere mich noch genüsslich daran, wie ich meine ohnehin schon superschnelle italienische Lima-Lok getunt hatte, indem ich ein größeres Zahnrad eines Carrera-Rennwagens meines Schulfreundes Roland B implantierte und dafür das Gehäuse aufschneiden musste. Das Ding konnte dann derart angasen, dass es gleich in der ersten Kurve entgleiste und rausflog. Also musste ich natürlich jede Kurve als Bande steil nach außen neigen, sodass meines Bruders Reinhold alte schwere schwarze Dampflok hochkant nach innen plumpste und fortan nicht mehr verwendbar war…

Der Direx hielt täglich seinen 1stündigen Mittagsschlaf. Anfangs streunte ich in dieser Pause noch in der Umgebung herum, im Laufe der Zeit aber tat ich es ihm gleich. Eines Tages, oder mehr nachts, da es um Nachtfalter ging, stand ein aufwändiger Außendienst in den Hundsheimer Bergen nahe der (damals noch) Tschecho-Slowakischen Grenze am Plan. DDr. Kasi fuhr samt Megagepäck mit dem Zug nach Hainburg und ich, schon 16-jährig, holte ihn mit meiner aufgemotzten schwarzgoldenen Puch Monza von dort ab. Da ich noch nicht und er noch nie einen Führerschein, geschweige denn ein Auto hatte, blieb ihm gar nichts anderes übrig, um in und auf dieses Naturjuwel zu geraten. Mit seinen schweren Behältnissen links und rechts haltend, war es ihm kaum möglich, sich sonst wo an-zu-halten. So war es nur haarscharf und mit einer Notbremsung beim Beschleunigen möglich, seinen Salto rückwärts abzuwenden. Mit hohem Puls und Blutdruck oben angekommen, brachten wir uns bald in Stellung. Mit einem Köder, also Matsch aus faulen Bananen, vergammelter Marmelade und einem Schuss von unserem vorsorglich mitgeführtem „Flachmann“, beschmierten wir spezielle Bäume und ein weißes „Übergrößenleintuch“ spannten wir mit Schnüren dazwischen. Mit starken Scheinwerfern, die natürlich eine schwere Batterie erforderten, strahlten wir darauf und warteten bis ca. 4 Uhr in der Früh, wer oder was sich darauf gesellte. Ich konnte leider kein Wiener Nachtpfauenauge und auch keinen Oleander- oder Totenkopfschwärmer entdecken, aber immerhin ein Blaues und mehrere Rote und 2 Gelbe Ordensbänder! Dem DDr. ließ das völlig kalt. Er konzentrierte sich auf ein paar „Motten“, deren Anwesenheit er als sensationell und als überaus wichtiges Wissen für die Nachwelt bezeichnete. Nachdem wir mit unterschiedlichen Emotionen abgerüstet hatten, brachte ich meinen genialen Doppeldoktor wieder zum Bahnhof und genehmigte mir dann einen 7-stündigen Mittagsschlaf…