04) Immer wieder Südfrankreich, Nackt-Volleyball und Jacky Blattino

In diesen Jahren verbrachte ich meine Urlaube auch auf dem Land, einem Stück Land auf einem Hügel mit Meerblick in Provence-Nähe an der Cote Azur. 3 Sommer lang thronte Mehling‘s rotblaue Familiendschunke nicht unauffällig am höchsten Punkt dieses Hügels zwischen Saint Tropez und Cavalliere (von Tsunamis wusste ich da allerdings noch nichts). Am Hang westwärts wohnte eine nette Familie, die mir auch in ihrer Abwesenheit einen spendablen Wasserschlauch überließ. Über den östlichen Hang erstreckte sich ein dichterer Föhren- oder Kiefernwald in dem ich mir ganz bundesheer-like eine fast schon komfortable Latrine baute. 1979 fuhr ich noch mit Bruder Reini‘s alten olivgrünen Kombi und 4 meiner Schulkollegen dorthin, ein Jahr später mit Tavernenfreunden in Wolfis weißen Alfa, den wir (nicht ich, wohlbemerkt!) in einer immer enger werdenden Kurve am Felsen zertrümmerten und danach, wohl auch aus letzterer Erfahrung, tat ich dies allein in meiner roten Celica -also nicht zertrümmern, sondern nach Frankreich fahren. Erst nach Hallein, wohin die von mir sehr geschätzten Gangl-Brüder aus Ernstbrunn „auswanderten“. Mit ihnen und ihrer Clique lernte ich erstmalig Berge und dazugehörige Hütten auch abseits von Winter zu schätzen, begeisterter und leidenschaftlicher Skifahrer war ich ohnehin. In Kaufbeuren besuchte ich 2 zuvor beim Straßenmusizieren kennengelernte Schwestern.

Julia hatte es mir angetan, sie gefiel mir ungemein! Umgekehrt war das halt nicht so ganz, ist sie doch da gerade eine neue und scheinbar sehr leiwande Beziehung mit einem offenbar auch sehr leiwanden Landsmann eingegangen. Dafür stand ihre Schwester Christine auf mich, was sie mir auch mit mehreren süßen Liebesbriefen bewies …vergeblich. Jahre später empfand ich genau umgekehrt. Julia kam mir dann nur 0815 vor, während Christine immer mehr für mich strahlte. Aber dies war dann aus mehreren und auch hier bald erwähnten Gründen nicht mehr „verwertbar“. Der Mensch funktioniert oft nicht nachvollziehbar oder rational und ich offenbar schon gar nicht! Noch in Bayern nahm ich 4 Autostopperinnen samt Rucksäcken auf ihren Schößen mit, bis in mein französisches Domizil. Genaue Pläne oder Ziele hatten die ohnehin nicht. Sie brachten Licht in meine bunte Dschunke und Essen, das sie mit ihrem Gaskocher im Feldgeschirr zubereiteten. Das Trinken organisierte natürlich ich, mittels inzwischen befreundetem Winzer vom Südhang. Meine vom Nachbarschlauch mit Kaltwasser gespeiste Open-Air-Dusche benützte ich jetzt öfter! Allerdings lernte ich bald wieder eine Christine kennen, eine französische ohne gesprochenen „e“. Sie verkaufte karamellisierte Nüsse und ähnliches am Strand. Ihre Nüsse interessierten mich nüsse, aber wir gefielen uns sehr. So sehr, dass ich bald ihren Eltern samt Großfamilie vorgestellt wurde und in deren direkt an der Küste befindlichen Haus ich bald ein ganzes Zimmer ganz für mich allein(!) beziehen konnte. Es wurde durchgehend groß aufgetischt und ich bekam ordentlich Stress, weil ich da nichts auslassen und gleichzeitig aber auch keine Volleyball-Schlacht mit Christine und ihren ca. 20-jährigen Freundinnen am dortigen FKK-Strand versäumen wollte. Ich, als einziger und kaum der dortigen Sprache mächtiger Typ unter mehreren ansehnlichsten Französinnen samt ihren Bällen, konnte ich mir doch nicht entgehen lassen, oder? Nicht einmal Christines Bruder Eric mischte da mit, er bevorzugte es, abends die Discos der Umgebung zu „befruchten“ und ein paar Mal hatte ich auch die Ehre, von ihm mitgenommen zu werden. Die darin befindlichen, meist über 30-jährigen mehrfach anstrengenden Germaninnen, hatten es Eric angetan, mir weniger, sehnte ich mich doch schon wieder an die sportliche Betätigung tags darauf. Aber an der punkigen, damals noch nicht wirklich New-Wave genannten und für mich ganz neuen Art von Musik in dieser Diskothek fand ich bald Gefallen. An unseren Strandpartys konnte ich nicht nur eine wunderbare Geigerin und ihren exzellenten Gitarristen aus Skandinavien, von denen hier noch die Schreibe sein wird, sondern auch den international bekannten Musikclown Jacky Blattino kennenlernen.

Er beherrschte 15 unterschiedliche Instrumente und entwickelte auch selbst welche, wie sein einzigartiges „Schubladophon“. Er war auch der erste Tellerjongleur, der ein Gestell mit 10 Stangen konstruierte, auf denen er mehrere Teller rotieren ließ. Als ihn andere damit kopierten, beendete er dies jedoch und widmete sich neuen Ideen. Er wurde von Rudi Carrel in seine Show geladen und trat bei und mit Vico Torriani und Lale Andersen auf. Weniger erfolgsgekrönt waren seine rührigen Bemühungen, mir ein Wenig von seinem Können zu vermitteln. Inzwischen waren meine bayrischen Untermieterinnen wieder ausgezogen, da sie zu Hause benötigt wurden. So konnte ich Christine endlich in meine Dschunke gegeneinladen. Naja, 1 Nacht reichte ihr! Auch weil zeitig am Morgen danach ein bemühter Gendarm sein Postlerharley- oder Stanglpuch-artiges vorderradgetriebenes einspuriges Etwas hinauf auf mein Anwesen quälte und meinen dortigen Aufenthalt beanstandete. Er konnte es kaum glauben, dass ich da schon mehrere Sommer lang residierte und so bekam ich eine amtliche Vorladung beim zuständigen Bürgermeister von Croix Valmer. Tags darauf dort angekommen, entspannte sich die Lage schnell. Der „maire de la municipalite“ entpuppte sich als Wien-Fan und da ich mit meinen heimatlichen Fremdenführerkenntnissen einigermaßen brillieren konnte, hatte er bald seinen Selbstgebrannten Anisschnaps geköpft, mir ordentlich eingeschenkt und ein lebenslanges Aufenthaltsrecht erteilt. Dass ich diesem dann nicht mehr allzu lang und oft nachkam, fand ich bald sehr schade, hat aber mehrere später beschriebene Gründe…