Es war das Jahr von Hainburg. Im Frühjahr zuvor aber gings für uns nach Übersiedlung von Schloss Niederleis in einen Vierkanthof von Michelstetten mit einigen Um- und Ausbauten einigermaßen turbulent zu. Dem vorangegangen war eine ausführliche Such- und Erkundungstour fast durchs komplette Weinviertel. Unsere legendäre, schön sprechende, sich aber nix pfeifende u. kontaktfreudige „Pauli“ begleitete mich mit Begeisterung zu aufgelassenen Schweineställen, verfallenen Mühlen und sonstigen Ruinen, ehe wir schließlich hinterm Buschberg, mit stolzen 492m höchste Erhebung dieses Viertels (jawohl, da gibt’s sogar eine Alpenvereinshütte, eine sehr gemütliche sogar, allerdings die niedrigst gelegene!) M‘stetten entdeckten. Wir waren uns einig, da wollten wir bleiben! Hans Thessink, gebürtiger Holländer u. auch Teilzeitdäne bestritt eines der ersten Konzerte dort. Ihn und seine Milica, die damals als Musikagentin auch Donovan, Arlo Guthrie, Joe Cocker sowie einige andere Woodstock-Veteranen nach Österreich brachte, kannte ich auch letzterer wegen schon gut. Während meine Freundin unseren Sommerurlaub gen Italien plante, kam von Hans der Vorschlag und die Einladung an uns, ihn backstage zum Roskilde-Festival zu begleiten.

Er und „unsere“ Liederlich Spielleut vertraten Österreich bei diesem damals größten Musikfestival Europas in Dänemark. So beschlossen wir, unsere Reise in den Süden erst mal Richtung Norden zu starten. Meinen 260z mit der langen Schnauze hatte ich zuvor schon gegen einen 3 x so schwachen und schnauzenlosen Kleinbus, in und mit dem es sich unkompliziertest fortbewegen und campieren ließ, getauscht. Meinen Freund Karli, der sich grad längeren Urlaub genommen hatte & gleich darauf von seiner Andrea getrennt wurde, nahmen wir natürlich mit. Noch nie hatten wir einen derart großen Parkplatz und schon gar nicht eine Zeltstadt dieses Ausmaßes gesehen. In beidem war es sogar nüchtern äußerst schwierig sich zu orientieren. Leute vorwiegend aus allen skandinavischen Ländern und Großbritannien strömten aufs Gelände, gut bewaffnet u. a. per Kinderwägen randvoll mit Bier. Da wir, damals noch nicht in der EU oder EG wie’s damals hieß, jede Menge Doppler mit rauf schmuggelten, machten wir gutes Geschäft. Für einen Schluck Veltliner aus unseren Zweilitergebinden ergatterten wir jeweils eine Flasche Tuborg oder Faxe-Fad und die eine oder andere wohlriechende Rauchware. Headliners waren Lou Reed, Paul Young, The Smiths, James Blood Ulmer, Johnny Winter & The Band. Hans war schon sehr bekannt da oben und spielte seinen Gig souverän mit einigen internationalen GastmusikantInnen. Die Spielleut geigten nicht auf der Hauptbühne, sondern in einem gar nicht mal so kleinen Zelt, was sich als großer Vorteil erweisen sollte. Da sich nach den ersten beiden Liedern ein üppiger Wolkenbruch breit machte, drängten sich mehrere Tausende in dieses Zelt und feierten unsere Helden, obwohl sie vorher kaum jemand kannte dort. Bald war sowohl draußen als auch drinnen alles voller Schlamm und kaum jemand konnte den daraus entstandenen Rutschpartien schadlos oder sauber entkommen, egal wie nüchtern und clean ein paar wenige davon meinten zu sein. Karli konnte ich erst nach 2 Tagen neben einem leeren Doppler und unter seinem Schlammhut finden. Er strahlte übers ganze Gesicht und beschloss erst mal noch dort zu bleiben.
Das Wetter wurde wieder besser und Helene u. ich fuhren mittels Fähren u. Brücken weiter nach Schweden. Zwischen Malmö u. Göteborg riss der Keilriemen. Der dafür eingesprungene Damenstrumpf arbeitete nur dürftig, der unverwüstliche Toyota-Motor brachte uns mit leicht überhöhter Temperatur aber locker bis in eine Volvo-Werkstatt und siehe da, ein Riemen für den 240er passte wie maßgeschneidert. So setzten wir, neu motiviert, unsere Reise gen Norden so lange fort, bis es uns endgültig und vor allem nachts im Auto zu kalt wurde. Übereingestimmt steuerten wir Spanien an, aber nicht ohne Brüssel, Amsterdam und vor allem Paris links liegen zu lassen. Direkt neben dem Eiffelturm parkten und nächtigten wir sogar. Trotz auffälliger Vorhänge, kam ein eifriger Reserve-Louis De Funès erst gegen halb8 Uhr morgens um uns amtshandelnd aufzuwecken. Das passte und kostete uns nichts außer etwas Lob und andere ein wenig geheuchelte Freundlichkeiten. Das morgendliche Bad nahmen wir selbstverständlich im Brunnen vor dem Turme! All das wäre heute unvorstellbar dort. Weiter gings die Loire samt ihrer Schlösser entlang, bis wir schließlich am Campingplatz von Biarritz eincheckten. San Sebastian auf der spanischen Seite mit seinem goldenen Sichelstrand und den gemütlichen Bodegas überraschte uns angenehmst und ließ uns sehr bedauern, nicht noch mehr Zeit zur Verfügung zu haben. Also fuhren wir über den Ordessa Nationalpark u. Canyon und mehreren Flüssen und wunderschönen türkisblauen (damals hatten diese Farben noch nichts mit verabscheuungswürdigster Politik zu tun!) Seen, in denen wir ganz allein ausladend schwimmen konnten, Richtung Costa Brava. Nachdem wir über Andorra, wo wir unserem Wagen steuerfrei neue Reifen gönnten und über die Pyrenäen dann den Heimweg antraten, musste ich nochmal in meiner langjährigen Sommerresidenz an der Cote Azur nach dem „Linken“ sehen. Helene kannte dieses Paradies noch nicht, also mussten wir an einem idyllischen Stellplatz am Cap Taillat, ohne Kleidung, dafür mit einem frisch vom benachbarten Weingut erworbenen 5-Liter-Plutzer, noch ein paar Tage verlängern. Spätestens als wir durch Chamonix und vorbei am Mont Blanc die Alpen überquerten, wussten wir einstimmig den passenden Namen** für unseren mobilen Untersatz…
Im Herbst spitzte sich die Situation rund um das geplante Staukraftwerk Hainburg zu. Wir hielten in Michelstetten mehrere Informationsveranstaltungen ab, an denen ein paar interessante Leute bei uns hängen blieben. Eine viel und gern genutzte Zentrale dafür in Wien wurde das KuKu an der Linken Wienzeile. Nach mehreren „Sichtungen“ fuhr ich Anfang Dezember mit einer engagierten Freistädterin, die ich dort kennenlernte, für mehrere Tage in die Stopfenreuther Au. Mit ihrem massiven Zelt und meinen Bundesheer-Schlafsäcken, jeder Menge Dosenfutter sowie mehreren Kisten aus ihrer heimatlichen Brauerei, versuchten wir es uns kuschelig zu machen, was nicht ganz einfach war, da es weit mehr Zustrom gab und es noch kälter wurde als erwartet. Wir trafen dort viele Aktivisten der alternativen Szene, der Wehrdienstverweigerer-Organisation und der des Gewaltfreien Widerstandes, Künstler wie Friedensreich Hundertwasser, Arik Brauer oder Miguel Herz-Kestranek und sonstige bekannte Gesichter wie Günther Nenning u. Freda Meissner-Blau, einige davon kannte ich noch von „Zwentendorf“, so war es sehr naheliegend, dass eine nachhaltige Ökobewegung sowie die Etablierung der Grünen Partei daraus resultieren würde. Als dann zum irrwitzigen behördlichen Angriff geblasen wurde, kam auch mein Bruder hinunter, um sich sein eigenes Bild zu machen, wie er meinte und geriet inmitten der Front des brutalen Geschehens in die viel kritisierte Knüppelorgie. Erst seither war er klar gegen den Bau…












