42) Kathi’s Galapagos

Allzu lange kannten wir uns damals noch nicht und während ich nochmals auf Kuba nach dem „Linken“ sehen musste, brach Katharina, wie schon länger geplant, gemeinsam mit Tochter Tanja, auf nach Ecuador und seine vorgelagerten Trauminseln. Hier ihre Erzählungen:

Natur und Mensch im Einklang

2012 war es so weit, ein Traum ging in Erfüllung. Ich hatte gerade etwas Geld zur Verfügung, das mir wichtig war, sinnvoll zu investieren. Tanja war 21 und somit ergab sich eine der letzten Gelegenheiten, mit ihr alleine zu reisen. Es sollte etwas Besonderes sein, etwas, das wir beide nicht vergessen sollten und dennoch unserem Stil zu reisen und zu leben entsprach. So entschieden wir uns für einen Selbstfahrer-Roadtrip nach Ecuador, um von dort die Galapagos-Inseln zu besuchen. Ich organisierte uns die Flüge samt Übernachtung in Frankfurt und ein Auto in Quito, wo wir die ersten Nächte verbrachten und als Krönung ein Inselhopping durch die begehrten Inseln. Die Flüge zur Hauptinsel „Isabela“ und die geführte Tour dort, wie auch die ersten Nächtigungen, reservierte ich über Thomas Prinz, einen Freund im ÖAV-Reisebüro. Gepackt und aufgegeben war der Rucksack in Wien, mit Durchreiche in Frankfurt. Auch die Hotel-Nacht direkt am Frankfurter Flughafen hat noch perfekt geklappt. Hoppala, zu früh gefreut! Als wir in Quito aufs Gepäck warteten, tauchte mein Rucksack nicht auf. Die Enttäuschung und der folgende Stress waren groß. Vergeblich zum Lost & Found -Schalter und dann ohne Gepäck enttäuscht ins Quartier in Quito. Gleich vorweg, der Rucksack kam 2 Tage bevor wir wieder heim flogen doch noch an, also 3 Wochen später, oder zu spät, danke KLM… Zuerst hat mir Tanja ausgeholfen, sie hatte annähernd(!?) die gleiche Kleidergröße. Ein paar Dinge hatte ich vor Ort erstanden, aber südamerikanische Frauen sind halt anders gebaut als ich. Somit wurde Männerzeug gekauft, auch egal, nur Bikini war schwierig. Jetzt weiß ich, man kommt wirklich mit wenig Zeug aus. Vielleicht war diese Schule nötig??? Stellt sich nur die Frage, ob oder wie lange diese auch nachwirkt…

Ein faszinierendes Land und wunderbare Menschen! Die Höhe von ständig über 3.000 Meter war spannend und eine neue Körpererfahrung. Ich möchte keinen Tag unserer Reise missen! Besonders zu erwähnen wäre aber, ich habe meine Tochter auf eine neue Art kennen gelernt. Sie ist mit 21 eine selbstbewusste Frau geworden, behält die Ruhe und bleibt im Gleichgewicht, auch wenn es rund um sie turbulent zu geht, speziell durch ihre manchmal überreagierende Mutter! Ja klar, ich bin emotional und hab mich nicht immer im Griff. Sie hat oft die Navigation unserer Reise übernommen, wenn ich wieder mal mit Telefonaten zur KLM beschäftigt war. Auch als die Bankomat-Karte gesperrt wurde und wir zuerst einmal ohne Geld dastanden, ist sie ruhig geblieben, zumindest nach außen. Das hätte ich nicht erwartet und es hat mich sehr stolz gemacht. So, jetzt genug der Umstände und ab auf die Inseln. Ach nein, da war doch noch was…

Wir hatten viele Horror Stories über Guayaquil gelesen. Taxler rauben dich aus und alle möglichen Tricks werden angewandt, um dein Gepäck und dein Bares zu stehlen. Okay, wir hoben kein Geld mehr ab, sondern verließen uns am Flughafen auf meine Kreditkarte. Als Eintritt in den Galapagos-Nationalpark, war pro Person eine Gebühr von 100 $ in bar zu bezahlen (jetzt kostet es gerechtfertigter Weise 200) und ich eilte zum Bankomaten, um das Geld mit der Kreditkarte zu beheben, da die Bankomatkarte in Ecuador nicht funktionierte. Aber kein Service, kein Geld! Was können wir tun? Einreise nur möglich, wenn wir bezahlen! Auch wenn umständlich und aufwändig, ich habe Sissi, eine Freundin bei der Raiffeisenbank, letztlich privat erreicht, denn es war Samstag. Aber sie schaffte es, nach 30 Minuten meine Kreditkarte wieder freizugeben. Das Problem war, dass die Autofirma mein Limit blockiert hatte. Jetzt, viele Jahre später, ist man eine Erfahrung reicher, hatte ich doch zuvor noch nie ein Auto gemietet, oder eine Reise über Abhebungen per Kreditkarte finanziert. Wir hatten schon begonnen, mit anderen Reisenden Kontakt aufzunehmen, ob sie uns aushelfen könnten. Ein Deutsches Paar hätte das auch gemacht, zum Glück war dies dann doch nicht mehr nötig.

Geschafft, wir sitzen im Flieger zur Insel San Christobal! Circa. 2 Stunden fliegt man auf diese Hauptinsel, auf der auch sehr deutlich einheimisches Leben stattfindet. Schon der Anflug auf den (damals) Miniflughafen war spannend, wo auf der Startbahn schon die ersten Iguana-Echsen herumlungerten. Was sind denn das für Urtiere? Einer in Gelb, einer in Grün und ein Riesen-Lackl noch dazu. Aber das war erst der Anfang, innerhalb kürzester Zeit wurde uns klar, auf den Galapagos herrscht eine andere Hierarchie. Natur und Tier hatten Vorrang und wir als Menschen sind geduldet. Zwar tropisch warm, waren für uns die Temperaturen durchaus angenehm und taten nach dem kühleren Hochland der Anden gut. Es fühlte sich nach Sommer und noch mehr wie Urlaub an.

Jetzt wird es schwierig, die Reihenfolge wiederzugeben. Sorry, ist ja auch schon 14 Jahre her. San Christobal – Isabela – Santa Cruz. Ich versuche es zusammenzufassen, es war selbstverständlich für uns Menschen, keine Tiere zu berühren, auch wenn diese unsere Nähe suchten. Wir fühlten uns wie in einem Tiergarten, aber ohne Zäune und Käfige. Eines unserer Highlights war das Schnorcheln mit Seehunden. Sie waren plötzlich unter uns, spielten mit uns und betrachteten uns unter Wasser mit ihren großen schwarzen und treuherzigen Augen. Sie spielten untereinander Fangen und benützten uns als Hindernisse. In unserer Schorchelpause am Steg sitzend, meinte dann einer dieser Seehunde „ich setz mich jetzt neben Tanja“ und platsch – da lag er schon neben ihr auf der Bank. Das schöne war, dass uns das alles sehr natürlich und selbstverständlich vorkam. Wir hatten keine Angst, aber Respekt und sie hatten erst recht keine Angst, waren halt in Spiellaune und sehr sehr neugierig. Wir besuchten verschiedene Seehund-Kolonien und konnten Baby-Robben im Kindergarten beobachten (so nennt man die gemeinsame Aufsicht und Obsorge durch Seehundmütter). In unmittelbarer Nähe sahen und rochen(!) wir all diese drolligen Kerle.

Am Fischerhafen von Puerto Ayora legten täglich kleine Fischerboote an. Gefischt wurde, was die Menschen auf der Insel zu Essen brauchten, nicht mehr und nicht weniger, den Rest bekamen die Pelikane und Robben. Was für ein Schauspiel, nicht für uns Besucher inszeniert, sondern ein tägliches Ritual des Teilens und des Miteinanders von Mensch und Tier. Mir ist klar, dass ich hier in einem Ökosystem gelandet bin, wo eine Balance vorherrschte, die der restlichen Welt auch nicht schaden würde. Hier nahm sich der Mensch nur das, was er zum Leben wirklich benötigt und nicht mehr, ohne Gier, ohne Übermaß und mit viel Respekt voreinander. Ich habe mich mit einem der Tourguides unterhalten und ihn gefragt, wie das ist, hier zu leben und ob es nur mir so unglaublich paradiesisch vorkommt. Nein, er hat es mir bestätigt „wir haben so gut wie keine Kriminalität, vielleicht ab und zu ein wenig durch Betrunkene, aber du kommst nicht weit hier. Jeder kennt jeden und wohin willst du auf einer Insel flüchten, um nicht erwischt zu werden?“ Manche Jungen gehen zum Studieren aufs Festland, aber fast alle kommen zurück, denn es gibt dank Tourismus Jobs und zwar genug für alle, auch wenn niemand reich werden kann, aber das kann genug für ein glückliches Leben sein.

Zurück zur Natur und unseren Erlebnissen: Iguanas, die Urzeit-Echsen von Galapagos, faszinierten uns in ihrer Schönheit und Exotik. Schon über 4 – 6 Millionen Jahre gibt es diese wie Minidrachen aussehenden Geschöpfe. Sie haben sich im Laufe der Zeit an die Gegebenheiten angepasst und somit überlebt. Bis zu 130 cm können sie werden, sind harmlos für uns Menschen. Sie pfauchen, wenn man ihnen zu nahekommt, aber ziehen dann auch mal flink von dannen. Sie fressen Meeresalgen und Kakteen und von beiden gibt es genug dort. Wie eine Universum-Sendung war es, Schwärme von Pelikanen beim Jagen von Fischen zuzusehen, Kolonien von Bluefoot-Boobys zu beobachten (Blaufuß-Tölpel, mit ihren blauen, wie in Farbkübel getauchten Füßen) und große Gruppen von rosa Flamingos, deren gemeinsamer Abflug ein unglaubliches Farbenspiel darstellte und wunderschöne Bilder im Kopf hinterließ. Besonders imponiert haben uns die anmutigen Riesenschildkröten. Wir durften alleine ein Reservat besuchen und immer wieder erblickten wir im hohen Gras eines dieser tiefenentspannten Tiere, das neugierig den Kopf hob, wenn wir uns näherten. Angst? Nein, das kannten diese Tiere nicht! Im Gegenteil, sie posierten fast mit uns. Wie lange die wohl schon lebten? Was und wem sie wohl schon gesehen haben? Kein Wunder, dass sich Darwin genau dieses Paradies ausgesucht hatte, um seine Evolutionstheorie zu erforschen. Unterschiedlich endemische Arten entwickelten sich von Insel zu Insel und deutlich anders als am Festland. Es gibt eine Vielzahl von Arten, die ausschließlich auf den Galapagos-Inseln vertreten sind – ein geschützter Bereich, zum Zwecke des gemeinsamen Überlebens. Vielleicht wünschte ich mir, wir könnten dieses Konzept auf die gesamte Welt ausdehnen!?

Und die Unterwasserwelt hatte ebenso einzigartige Erlebnisse zu bieten. Wir waren schnorcheln mit bunten tropischen Fischen, Wasserschildkröten und anderen Meeresbewohnern. Der krönende Abschluss sollte eine Schnorchel Tour zum berühmten Kicker-Rock auf San Christobal sein. Hammerhaischulen konnten beim Schnorcheln im kristallklaren Wasser beobachtet werden. Nachdem Tanja und ich Taucher waren, begeisterten uns Haie immer schon sehr. Aber eine ganze Schule von Hammerhaien, dass gab es sonst nirgends zu sehen. In der Schlucht zwischen zwei Felsen ruhen sie bis sie nachts zur Jagd aufbrechen. Leider wurde die Tour abgesagt, denn das Nationalparkteam musste diesen Bereich sperren, um eine invasive Insektenart einzudämmen, die durch Touristen eingeschleppt wurde. Schade, die Ersatztour (ein bunter Schnorchelspot und schwimmen mit Seelöwen) war nett, konnte da aber nicht ganz mithalten. Aber vielleicht sollte es nicht sein. Vielleicht sollten wir einen guten Grund erhalten, nochmal hierher zurückzukommen …in unser kleines Paradies und einzigartiges Ökosystem, das beweist, dass Tier, Mensch und Natur im Einklang leben können.