32) Philippinen

Als ich zum ersten Mal und von Waltraud begleitet die Philippinen besuchte, arbeitete ich noch nicht besonders lange bei der Fernwärme in der Spittelau. Mehr als 4 Wochen Urlaub am Stück war da nicht drin. Länger schon hatte ich spezielle Reise- und andere Bücher über diese einzigartige und bizarre Inselwelt im ferneren Osten Asiens durchforstet. Thailand als Ziel verdrängte ich in diesen Jahren, da mich Schilderungen darüber und die Reiseart einiger „Spezialisten“ ziemlich langweilten. So begannen wir ab Manila, das uns mehrmals als Verkehrsknotenpunkt diente, die nördlich gelegene und saftig grüne und bergige Hauptinsel Luzon mit ihren steilen Reisterrassen zu erwandern. Schlechtes Wetter, aber fantastische Ausblicke, abenteuerliche Verkehrsmittel und uralte Kulturen, die von liebenswerten und freundlichen Menschen gehegt und gepflegt werden, prägten diese ersten beiden Wochen.

Der Vulkanlandschaft samt imposanten Kraterseen im Süden der Insel widmeten wir uns anschließend, bis wir bei Donsol/Legaspi mit Walhaien konfrontiert wurden. Wir fuhren zeitig mit 9 anderen Schnorchlern per Auslegerboot raus, vorbei an unzähligen Delfinen, bis wir insgesamt 3 Meeresgiganten aufspürten und über Bord gelassen wurden. Wir strampelten und durchwühlten die Planktonbrühe, die ja Nahrung für diese Tiere war und auch der Grund für deren Anwesenheit, sodass die Sicht bald nur für wenige Meter reichte. Das größte Exemplar war ca. 18m lang und um es im Ganzen zu erfassen, hätte man so weit wegschwimmen müssen, dass man nichts mehr erkennen hätte können. Also blieb ich nah dran und sah nur eine dunkle Wand mit unzähligen hellen Flecken. Beim Versuch, andere oder bessere Perspektiven zu finden, spürte ich plötzlich Boden unter meinen Flossen. Dieses Tier blieb jedoch gelassen und hat mich Leichtgewicht nicht einmal abgeschüttelt. Waltraud hingegen durfte auf den Mast klettern und sah von hoch oben alle 3 Haie viel besser und klarer, bis auch andere Boote dazustießen, wir die ganze Aktion langsam peinlich fanden und schließlich mit unterschiedlichen Gefühlen zurückschippern konnten. Auf Palawan, die für viele schönste und spektakulärste Insel der Welt, verbrachten wir die letzten 8 Tage auch noch am und im Wasser. Wir paddelten u. a. durch den größten und längsten unterirdischen Fluss bei Sabang (jawohl viele Superlativen, aber zurecht, wie ich meine!) und verbrachten noch angenehme Zeit in und bei El Nido, wo ich mit Anleitung eines örtlichen Kletterprofis den spitz- und scharffelsigen Hausberg erklimmen durfte. Letzterer war auch Bassist einer Rockband, deren abendliches Konzert wir natürlich besuchten. Welch eine Wohltat im Gegensatz zu den allerorts dort üblichen Karaoke-Auswüchsen.

17 Jahre später hatte ich mit Katharina das Vergnügen, nochmal in dieses tolle Land zu gelangen und nach mehreren Bieren überredete sie mich tatsächlich mal, derart „auszuwachsen“ und 3 Nummern, unter anderem „Let it Be!“, selber Karaoke zu trällern. Furchtbar, aber lustig allemal. Auf einer vorgelagerten winzigen Insel machten wir noch eine knappe Woche auf Robinson und Freitag, erschnorchelten ein uraltes, üppig von Korallen überzogenes und von buntesten Fischen bevölkertes Wrack und entspannten ohne Strom, Handyempfang oder sonstigen Firlefanz. Während ich bald mit größerer Fähre über die kaum bekannte, aber sehr spannende Insel Linapacan, weiter nach Coron fuhr und dort schon mal den Hauptort samt Hausberg erkundete, bewegte sich Kathi per 3-tägiger Bootstour mit allem Drum und Dran stückweise dorthin. Ihr daraus resultierender Enthusiasmus hallte noch lange Zeit nach. Hier ihre Geschichte:

Ich hatte einige Berichte im Netz über diese Inselhopping Tour von El Nido nach Coron gelesen. So beschloss ich mir ein Boot zu suchen und dieses Abenteuer alleine zu wagen. Peter hatte sich entschieden, 3 Tage nicht auf einem Boot mit Menschen zu verbringen, die er nicht kannte. Im „El Nido Corner“ buchte ich den Tripp. Der Besitzer war herzlich, drängte mich nicht und so hatte ich ein gutes Gefühl. Schon der Start war spannend, denn es ging los in einem kleinen Ort ohne Steg. Die sehr bunten und unterschiedlichen Teilnehmer wartetet schon. Nach einer kurzen Vorstellung ging es durchs Wasser aufs Boot. Die Crew bestand aus der Köchin, einem Helfer und unserem Guide, ein gut eingespieltes Team.
Wir pflügten mit unserem Boot durch türkises Wasser, es war ein Gefühl der Freiheit. Das Boot war simpel. Mit einer Miniküche, das Gepäck durch eine Klappe im Rumpf erreichbar, ein sehr simples WC für den Notfall und rechts und links Sitzbänke. Eine Überdachung gegen die Sonne und ein fixes Dach über Küche und Steuer des Bootes.
Erster Stopp – weißer Puderzucker am Land und unter uns türkisgrünblaues Wasser. Fast alleine, etwas weiter vorne, ankerte ein anderes Tourboot. Ab ins Wasser, ich war fast immer die erste und folgte dem Korallengarten unter mir. So eine Pracht hab ich noch nie gesehen. Riesige Fächerkorallen, Korallen, die aussahen wie Amphoren in dunklem rotbraun und dazwischen ein Meer an bunten Fischen. Zackenbarsche, Korallenfische, Drückerfische, Clownfische, Doktorfische und immer in größeren Gruppen. An manchen Steinen wuchsen Anemonen, die sich rhythmisch mit dem Meer bewegten und immer wieder wagte sich ein Nemo-Pärchen aus der Deckung. Ich lag im Wasser und war so unglaublich dankbar, dass ich Gast sein durfte hier.
Tief beeindruckt kletterte ich als einer der letzten aus dem Wasser… still und demütig und gleichzeitig innerlich aufgewühlt. So schön ist diese Welt!
So hatten wir pro Tag mehrere Stopps. Einmal suchten wir Schildkröten im grünen Wasser, denn Algen sind die Leibspeise der Karettschildkröte. Auch da hatte ich Glück, denn ein besonderes Exemplar tauchte genau unter mir auf und ich konnte eine Weile mit ihr schwimmen und sie beobachten. Ach, könnte ich mir doch ein bisschen von ihrer Gelassenheit mitnehmen?!
Am Abend ankerten wir auf einer kleinen Insel zwischen El Nido und Linapacan. Wir bezogen unsere einfachen Hütten mit Matratze und Moskitonetz und Schilfmatten trennten uns vom Nachbarn. Tiefroter Sonnenuntergang, herumtollende Schweineferkel am Strand, Lagerfeuer und ein herrliches Abendessen sowie Karaoke singen … ja wirklich, die hatten dort auch eine entsprechende Krawallmaschine stehen. Und irgendwann traute sich sogar unsere amerikanische Obertussy laut und falsch ein Liedchen zu singen. Sehr krass, aber auch sehr philippinisch war dieser Abend.
Am zweiten Tag waren wir uns alle schon etwas näher. Es war immer noch schräg, da die Gruppe so inhomogen war. Aber wenn mir das Gelaber zu viel wurde, flüchtete ich aufs Dach der Küche und las ein Buch oder betrachtete das wunderbare Meer.
Den schönsten Stopp hatten wir kurz vor Linapacan bei seichtem Meer, wo man sich aufs Wasser legt und sich sanft mit der Strömung treiben lassen kann. Ich entdecket sogar einen Steinfisch, sah Seesterne in blau und immer wieder Papageienfische, die den Boden abnagten und sich nichts aus meiner Anwesenheit machten. Ich wollte schon aus dem Wasser, als ich in der Ferne ein Pärchen Fledermausfische mit sicher 50 cm Durchmesser entdecket. Sie nahmen rasch Reißaus… aber wunderschön, die dunklen Flossen wie Fächer bewegen zu sehen. Auch die Korallenformationen waren einzigartig. Ich werde diese Bilder nie wieder vergessen!
Wir besuchten einen speziellen Ort auf Linacapan, wo einige von uns leider zu viel Cola mit Tanduay-Rum getrunken hatten und den restlichen Tag sehr instabil auf den Beinen rumlungerten.
Ich streunte alleine los, die Bewohner waren es gewohnt, dass ab und zu Tourboote kamen, aber das war ihnen egal. Eine Gruppe alter Ladies spielte Karten und junge Mädels posierten für mich und meine Kamera. Sie waren stolz, ihr Englisch austesten zu können.
Rum und manche andere Leckerei wurde nachgekauft, aber das Essen am Boot war herrlich. Unterschiedlichstes Gemüse, wie Palmherzen in Sauce, Maniok Fisolen, Salat und dazu Shrimps, einmal Meeresspinnen und immer Fisch sowie häufig gut gewürztes Fleisch. Unglaublich, was unsere Köchin in dieser Miniküche hervorzauberte. Und immer Philippine Power (= Reis!).
Am Abend waren wir alleine am Camp. Dieser war wunderschön, mit einer Hängematte und die Hütten waren gepflegt. Wer wollte, schwamm vom Boot an Land, da wir nur 1 Kajak hatten um das Gepäck zu holen. Es war warm, das Wasser herrlich und es tat so gut, der Natur so nahe zu sein. Unser Guide bot uns am Abend sogar eine Feuershow. Er war ein sehr lieber und gutmütiger Mensch und ich plauderte noch lange mit ihm. Sein großer Traum wäre sein eigenes Tourboot, ich wünsche ihm sehr die Erfüllung dessen.
Am letzten Tag in Richtung Coron wurde die Sehnsucht nach meinem Schatz immer größer. Ich wusste, er fährt irgendwo da draußen gerade den selben Weg mit der Fähre und ich wollte meine Erlebnisse mit ihm teilen. Letzter Stopp war eine langgezogene Sandbank mit einigen Ausflugsbooten aus Coron und dann gings unserem Ziel entgegen. Ein Ort der Gegensätze, wie die meisten Touristenorte hier. Vorbei an Pfahlbauten der Fischer und im Hintergrund große meerstöckige Häuser. Ein Berg im Hintergrund und viele grüne Hügel aus dem Meer ragend, die Landschaft von Coron ist wahrlich spektakulär!
Je näher wir dem Strand kamen, desto aufgeregter wurde ich. Ist Peter wirklich da, wie findet er genau diesen Platz, an dem wir anlanden? Und da sah ich ihn schon …meinen Schatz. Gut gelaunt und braun gebrannt, mit leichtem und federnden Schritt, eh wie immer. „ich hab dich vermisst!“
Ein letztes Gruppenfoto und dann zerstreute sich die Gruppe. Die Gedanken blieben aber noch lange in meinem Kopf und sogar heute noch, wenn ich die Augen schließe, kann ich dieses Gefühl im wohlig warmen Wasser mit all der Farbenpracht abrufen. Was für ein Erlebnis… DANKE!

Gemeinsam enterten wir dann eine philippinentypische Bangka, um uns artgerecht durch die Lagunen der Coron-Insel zu bewegen. Für den perfekten Ausblick erkletterten wir die höchste Erhebung, wir picknickten am „Puderzuckerstrand“, schwammen im Traumwasser und gratulierten uns mehrmals für den Entschluss zu dieser Reise.

Über die Zwischenstation auf Cebu gelangten wir noch auf die Insel Bohol, wo wir im Harren auf gutes und klares Wetter die berühmten Schokoladenhügel aufsuchen „mussten“, entdeckten dabei beeindruckende und bebadbare Wasserfälle und fuhren am smaragdgrünen Loboc-River zu lustigen Chorproben und schwimmenden Restaurants. Ein Höhepunkt war für Kathi sicher eine ganz zeitige und für mich zu zeitige Tour, durch die sie Walhaie auf geeignetere Art als ich einst begegnen konnte. Ihr Boot war nämlich das allererste mit noch wenig beteiligten Schwimmern. Dadurch war die Planktonbrühe noch halbwegs unaufgewühlt und sie sah mehrere riesige Tiere ungetrübt in vollster Pracht. Den Ort der letzten Tage erwählten wir quasi per Zufalls-Finger auf der Landkarte. Nach fünftem Versuch wurde es ein völlig untouristisches Fischerdorf nicht weit von Manila, das uns im Meer vor der Haustür noch Schildkröten bescherte und wie fast eh im ganzen Land, wunderbar essen, trinken & staunen ließ…

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