Schon in den frühen 80ern zog es mich erstmalig nach Ägypten. Mit Helene, Freund Harald und seiner Angelika steuerten wir Assuan an, wo wir uns erst mal assimilierten, was anfangs gar nicht so leicht war, wie man sich denken kann. Ähnliche Kultur kannte ich bis dato nur aus Marokko, aber irgendwie „bekamen wir schon die Kurve“. Per Überlandbus ging es knappe 300 km Richtung sudanesische Grenze in den Süden. Abu Simbel mit seinen über 3000 Jahre alten in den Fels geschlagenen Felsentempeln liegt am Westufer des Nasser-See, dem mit 500 km Länge größten von Menschenhand angelegten See überhaupt. Weiß nicht, ob ich die alten Geister und Pharaonen irgendwie spüren oder erahnen konnte, was ich noch weiß -es war heiß! Irgendwo zwischen Assuan und Luxor befuhren wir mit Feluken, diesen typischen Segelbooten, den majestätischen Nil. Ein Bootsmann warnte uns ein- oder fast aufdringlich, ja nicht zu unachtsam an Bord herumzulungern und über diesen zu „gehen“, denn das an manchen Stellen komplett von Bilharziose verseuchte Nilwasser würde uns da nicht mehr heil davon raus kommen lassen. Kaum gesagt, hat es ihn nach einem waghalsigen Wendemanöver selbst über Bord geworfen und wir mussten ihn natürlich rausfischen, was trocken schwer möglich war. Er meinte dann nur, selbst immun zu sein, da er als Kind schon oft genug in diesem Schneckenpfuhl landete. Diese Geschichte erinnerte uns klarerweise an Obelix, der als Säugling in den Zaubertrank fiel und auf Grund dessen nachhaltiger Wirkung später von einer weiteren Einnahme ausgeschlossen wurde. Egal, „G’schichtln“ hörten wir in diesem Land noch viele. Zum Beispiel im Tal Der Könige bei Luxor, wo uns die komplett senkrecht stehende Sonne keine Chance auf einen Schatten ermöglichte. Da kam uns der Besuch des Grabes vom II. Ramses, was ich üblicherweise sicherlich ausgelassen hätte, gerade recht. Es ging die uralten Treppen immer tiefer und tiefer hinab und begleitet von haarsträubenden Kommentaren wurde es immer stickiger und stickiger, bis wir dann irgendwann völlig nassgeschwitzt den steinernen Sarkophag dieses Pharaonen erreichten. „No so a Schtaa hoit“, hätte mein späterer Bassistenkollege aus 7-Hirten dazu geäußert und ähnlich empfand auch ich in diesem ehr- oder merkwürdigen Moment. Noch merk- oder fragwürdiger war die geplante Rückreise von Assuan, als wir nicht auf unseren (auch rückbestätigten!) Flieger gelassen wurden. Es stellte sich noch heraus, dass in Mombasa, woher der Jet kam, ein paar Sextouristinnen überbezahlt an Bord gelangten und für uns Unbedarfte dadurch kein Platz mehr war. Nach langem hin und her gönnte man uns die ca. 1000 km lange Zugreise in einem fahrenden Hühnerstall (ohne Anführungszeichen, denn es gab keine Fensterscheiben und Hendln waren tatsächlich in unserem Abteil) nach Kairo, von wo uns dann ein teurer Linienflug nach Wien bezahlt wurde. Oh, ich vergaß das Rote Meer, mein Rotes Meer, denn als leidenschaftlicher Bader und Schwimmer war das der Grund, mich überhaupt auf diese Reise zu begeben. Klarerweise landeten wir in Hurghada, kaum andere Orte waren uns damals bekannt oder genannt. Die Stadt hatte kaum zwei- oder mehrstöckige Häuser und Hotels waren sowieso rar. Dafür ragte die doppelminarettige Moschee dominant und prominent gen Allah’s Himmel. Als wir mit Flossen, Maske und Schnorchel von unserem Boot gelassen wurden, hatte ich meine Gotteserfahrung, oder sagen wir, ein Erweckungserlebnis, da ich eine derartige Pracht mit intakten Korallen und diesen anmutigen bunten Geschöpfen direkt vor der Nase noch nicht kannte. Mich hat’s hin und her gerissen, wusste nicht, wohin ich zuerst blicken sollte, kannte bis dahin bestenfalls nur fade graue Fisch, die sich vereinzelt wo blicken ließen…
An die 20 Jahre später war das abermals Grund und Motivation, diese Region aufzusuchen. Nach einem Billigsdorfer-Flug auf Hurghada, das sich in vielerlei Hinsicht und nicht unbedingt zum besseren verändert hatte, nahm ich die Fähre nach Sharm El Sheik, von wo ich schnurstracks mit dem ersten Bus (Richtung Norden und Israel) Dahab ansteuerte. Eine perfekte Wahl, wie sich herausstellte! Ein ursprüngliches und natürlich gewachsenes Fischerdorf mit einheimischem Leben und Treiben, ohne besonderem Augenmerk auf die paar wenigen und vorwiegend Rucksacktouristen wie mich. Ein einfaches Pensionszimmer direkt am Wasser, mit schmalem Holzsteg über die nahe Korallenbank, war mir wie maßgeschneidert. Mein baldiges „Stammbeisl“, in dem ich nach bitten und flehen auch mein Bier bekam, erlangte 1 Woche nach meiner Abreise noch unliebsame Berühmtheit. Selbstmord-Attentäter hatten sich darin in die Luft gesprengt und duzende Leute mitgerissen. Keine für allfällige Ungerechtigkeiten verantwortliche Politiker oder sonstige Beamte, auch keine g’stopftn und rücksichtslosen Luxus-Touristen, sondern unschuldige Dorfbewohner, den Wirten und ein paar für die Anliegen bedrohter Palästinenser ohnehin empfängliche Globetrotter. In und um das reichere und glamourösere Sharm El Sheik, das mit Panzer-Patrouillen bewacht wurde, ragten und wagten sich die frommen Mörder nicht hinein. Ganz anders Gläubige und Pilger, wie eine Nigerianerin, die seit 3 Monaten entbehrungsreichst schon unterwegs war, traf ich am nächtlichen Aufstieg zum Mount Sinai, dem Mosesberg. Der rötliche Sonnenaufgang mit all diesen glänzenden und weitgereisten Augen ringsum faszinierte mich sehr. Im benachbarten Katharinenkloster wurde ich nicht so sehr fündig, Katharina traf ich erst weitere 10 Jahre später auf Kreta.
Ja, mit ihr kam ich ein weiteres mal ans Rote Meer und wieder nach Dahab. Nicht nur die noch immer unglaublich vielfältige Unterwasserwelt inklusive dem vorgelagerten 100 m tiefen „Blue Hole“ frequentierten wir fast täglich, begeistert erkundeten wir auch die Wüsten der Umgebung mit ihren steinernen Naturmonumenten. Angetan waren wir auch vom sogenannten Weißen und ganz besonders vom Roten Canyon, dessen sonnenlichtdurchflutete Farbenspiele samt der daraus resultierenden Schattenspenden meine geliebte Beleuchtungsexpertin ganz besonders berührten. Und schließlich war es auch der abenteuerliche Weg dorthin, den wir zusammen mit einer internationalen und lustigen Truppe in einem Rallye-Landcruiser adäquat bewegt zurücklegten, welcher uns einigermaßen freudestrahlen ließ …denn dieser soll ja angeblich auch auch das Ziel sein!











































