„Fräulein!“ oder war es doch „Schwester!“ was ich, aufgebahrt im langen und verrammelten Gang des Krankenhauses liegend, einer vorbeieilenden Weißgekleideten nachrief „Waunn kumm i denn endlich draun?“ Sie hielt tatsächlich an und meinte breit lächelnd nur „Ois scho erledigt, grod erst san’s aufg’wocht!“ Jubel! Ich liebe heutige Narkosen! So gut, so schön und so tief konnte ich seit langem nicht mehr schlafen. Erinnere mich nur zu deutlich daran, als mir mit 12 oder 13 einst die Mandeln und Polypen genommen wurden. Das war eine schier endlose Tortur mit mehreren Fehlversuchen. Erst zählte ich bis 25, also ungewöhnlich lange, unter der umgeschnallten Betäubungsmaske. Dann wachte ich auf, als der Arzt wie wild und nervös an den unerwünschten Teilen herumzog und rüttelte, während ich mich verbal aber nicht äußern konnte und von ihm fluchend vernahm „Geh aussa, du Hua, du dreckige!“. Schließlich fand ich das nötige Bewusstsein und die Kraft, ihn am Kittel zu ziehen, um dann eine Extradosis zu erhalten, die mich wie in einer Zentrifuge rotieren ließ und aus der ich sehr lange nicht mehr erwachte. Dies war gottlob jetzt deutlich anders! Diese Operation bediente nur eine meiner mehreren Baustellen, eine Weile schon quälten mich nämlich und wahrscheinlich nicht unbegründet, schlaflose Nächte. Ende der 10er Jahre „verabschiedeten“ sich fast zeitgleich mehrere Leute meiner nächsten und näheren Umgebung, da passte nur noch die Pandemie wie der Tupfen am i, um etwas weniger leichtfüßig als gewohnt, über’s Dasein wie auch über‘s geliebte Wegsein nachzudenken…
Wide River To Cross (Levon Helm)
„There’s a sorrow in the wind, blowing down the road I’ve been. I can hear it cry while shadows steal the sun. But I cannot look back now, I’ve come too far to turn around and there is still a race ahead that I must run. I’m only halfway home, I’ve gotta journey on, to where I’ll find, I’ll find the things I have lost. I’ve come a long long road, but still I’ve got some miles to go, I’ve got a wide, a wide river to cross.“
I have stumbled, I have strayed, you can trace the tracks I made, all across the memories my heart recalls. But I’m still a refugee, won’t you say a prayer for me? ‚Cause sometimes even the strongest soldier falls. I’m only halfway home, I’ve gotta journey on, to where I’ll find, I’ll find the things I have lost. I’ve come a long long road, but still I’ve got some miles to go, I’ve got a wide, a wide river to cross.“
Sokrates meinte „Was wunderst du dich, dass deine Reisen für dich nichts nützen? Bist du es nicht selbst, den du mit herumschleppst? Was dich forttrieb, sitzt dir unmittelbar im Nacken!“ und „Das Paradies ist anderswo!“ betitelte Mario Vargas Llosa sein Buch über das Leben des Paul Gauguin in Tahiti und auf den Marquesas …beides gefällt mir, dennoch versuche ich hiermit, dem ein wenig zu widersprechen:
DOBRODOSLI! ***
Es war einmal eine goldene Zeit und meine Generation hatte das seltene Glück da anlanden zu können. Derzeit allerdings, 80 Jahre nach dem 2. Weltkrieg, sollten wir gut darauf achten, dies samt unseren vielen schönen Erinnerungen nicht in den Sand zu setzen! „Wise men say: Only fools rush in!“ Viele historische Ereignisse haben die Welt verändert. Positiv wie negativ, aber oft war‘s auch nur der Perspektive geschuldet. Ich grundsätzlicher Optimist neige da mehrheitlich zum Gegenteil. Obwohl ich, so nebenbei bemerkt, in Mehrheiten kaum zu finden war und selbst in Minderheiten oft zur Randfigur mutierte. Derzeit stöhnt ein Großteil der Welt unter der Erderwärmung und ich bin meist am Erfrieren. Sind Globalisierung, Digitalisierung und das Internetz wirklich ein Segen? Lässt es uns in die entferntesten Sümpfe der Welt blicken, oder lassen wir umgekehrt diese Sümpfe damit bis in unsere tiefsten Intimitäten gelangen? Bringt uns Rationalisieren schwarze Zahlen oder doch nur Arbeitslose? Bekämpft es die Armut, oder produziert es nur noch mehr skrupellose Milliardäre? War’s die Landung am Mond, was uns veränderte, oder schon die Industrialisierung mit nachfolgendem Klimawandel? Betrifft’s vielleicht die Reblaus?? Die Kreuzigung von Jesus Christus, oder doch die späteren Kreuzzüge des Mittelalters in dessen Namen? Die nachfolgende Renaissance war wohl mehr als nötig! Begann es vielleicht mit Kain, der den Abel erschlug? Oder war‘s ohnehin schon der Sündenfall des Adam? Und lag’s jetzt an Eva, an der Schlange, oder etwa am Apfel? Aktuelle „Errungenschaften“ stellen jedoch, wie es sich immer mehr offenbart, fast alles in den Schatten. Die (a)Sozialen Medien samt Künstlicher Intelligenz werden von vielen „weisen Männern“ und Frauen als Tor zur Hölle bezeichnet. Fettgefütterte Lobbyisten und narzisstische selbsternannte Influencer (klingt nicht um sonst wie eine lästige Krankheit!) weisen den Weg. Und tatsächlich lässt sich nachweisen, dass überwiegend negative und Hassbotschaften damit transportiert und befeuert werden. Lüge wird zur Wahrheit & Wahrheit zur Lüge erklärt. Wo bleibt denn das berühmte Pendel, das in vielerlei Hinsicht endlich in die gegenteilige Richtung schwingt? Und wie schwinge ich da selbst (ohne Zuhilfenahme eines „Schwingerclubs“)? Und wo bitte treibt sich James Bond herum, anstatt die Welt vor Bösewichten zu retten? Muß zugeben, die jüngeren Ausgaben allesamt nicht mehr mitverfolgt zu haben. Vielleicht bin ich schuld an allem?? Kutschiert Roger Moore etwa mit Toni Curtis per Aston Martin & Ferrari belanglos durch die Milchstraße? Und hat sich Sean Connery samt Helmut Qualtinger in Umberto Eco’s italienischem Kloster verewigt? Eher nicht, viel mehr vermute ich, hat er mit Michelle Pfeiffer (träumte einst unanständig von ihr!) auf „Teufel, komm raus!“ und „All inclusive“ ins Rußland-Haus eingecheckt, wer kann’s ihm verdenken!? Der erfindungsreiche MacGyver ist auch abhanden gekommen und was bitte ist mit David Hasselhoff und seinem Spielzeugauto los? Nur allzu laut würden wir jetzt rufen „Kid, hol uns hier raus!“ Wahrscheinlich ist er immer noch „looking for freedom“, tut aber nichts dafür und reibt stattdessen die Baywatch-Girls mehrerer Generationen mit Sonnenöl ein. „Uttering idle words from a reprobate mind, clinging to strange promises, dying on the vine, never beein‘ able to seperate the good from the bad, oh i can’t stand it, i can’t stand it, it’s makin‘ me feel so sad. Dead man, dead man, when will you arise? Cobwebs in your mind, dust upon your eyes!“

Natürlich war das einst auch nicht immer so klar, nur die mögliche Auswahl erschien doch weit lukrativer, oder? Was wäre, wenn? Eine so oft gestellte und dennoch immer wieder sich erübrigende Frage. 1000e Kreuzungen und Weichen, wer oder was hat erstere angelegt oder zweitere gestellt? War der (oft nur zufällig) eingeschlagene Weg der richtige? Wahrscheinlich nicht! Aber der komplett falsche kanns offenbar auch nicht gewesen sein. Was solls im Nachhinein? Und wozu überhaupt, um nicht den „Sinn des Lebens“ zu strapazieren? „Imagine all the people livin‘ for today …livin‘ life in peace …sharing all the world“ Keine Angst, dies soll keine Biografie werden, auch kein Buch und sorry, lieber Burli, auch kein Roman. Aber angesichts eines langsam sich einschleichenden Vergessens, möchte ich hiermit, solang ich’s noch halbwegs weiß, ein bissl was festhalten. Allzu objektiv, neutral und ausgewogen wird’s wahrscheinlich nicht ausfallen, da ich Erlebtes nur aus eigener Perspektive erzählen kann. Und unpolitisch schaff ich‘ erst recht nicht, denn, ob wir’s wollen oder nicht, „we live in a political world“ und derzeit, in 2025, zeigt Politik ihre denkbar abscheulichste Fratze, im großen Weiten, wie im kleinen Nahen. Festhalten war und ist mir nicht durchgehend möglich, so kamen mir nebst diversen ureigenen Nachlässigkeiten auch und immer wieder geschätzte buddhistische Weisheiten in die Quere, die wiederum von der Esoterik missbraucht, dann oft mehr Zweifel als Klarheit hinterließen. Von wegen „lebe im Jetzt! Oder im Augenblick! Du kannst es nicht konservieren und schon gar nicht mitnehmen, wenn du die finale Reise antrittst!“ Auch fotografisch nicht, so hatte ich mehrere gar nicht mal so fade G’schichtn ohne Kamera bestritten. Die besten Aufnahmen sind ohnehin die, so denke ich wahrscheinlich noch immer, die nicht geschossen wurden.

Tagebuchschreiber war ich so gut wie nie und wenn, dann taten dies die Partnerinnen in meinen unterschiedlichen Leben. Briefe und vor allem Postkarten schrieb ich sehr wohl und erhielt solche auch in großer Zahl, wovon ich Sammler fast alle aufbewahrte. Von wegen 80 Jahre? Musste da wohl etwas weiter ausholen. Die Reise beginnt aus gutem Grund schon einige Jahre vor meiner Zeit, hatten doch gewisse Ereignisse, zum Beispiel jene, die über 50 Millionen Todesopfer erforderten, auch schwerwiegende nachhaltige Wirkung. Selbst als Privilegierter in die positive und hoffnungsvolle Wiederaufbaugeneration hinein geboren und Jahrzehnte lang, erst in den Zeiten des „Kalten Krieges“, dann bis auf „Maul- u. Klauenseuche“, Glykol-Skandal und den Reaktorunfall in Tschernobyl 1986, den bestialischen Jugoslawienkrieg vor unserer Haustür, oder dem Terror von 9/11 in New York, mehr oder weniger zufrieden oder konfliktfrei bis an die 2020er geraten, als mit Covid-19 ein erster wirklich grober Einschnitt erfolgte. Beim Anschlag in der Wiener Innenstadt mit 4 Todesopfern war ich mit meinen Leuten „klarerweise“ vor Ort, also 2 oder 3 Ecken entfernt, ehe wir uns hurtig ins „Käuzchen“ verkrochen, wo wir nicht lange zuvor schon „Ibiza“ begossen hatten. Die Crew vernagelte Tür und Fenster mit Brettern, die erst 3 Stunden später, nach Mitternacht und leichter behördlicher Entwarnung gelöst wurden. Unglaublich war der Zusammenhalt in diesem berstend vollen Beisl. Putins Verbrechen an der Ukraine und seine hybride Kriegsführung gegen die freie Welt überbietet dies alles natürlich. Mit Trump als US-Präsident kommen wir nun endgültig ins Schleudern wie noch nie und die Spaltung der Gesellschaft hat sich einzementiert. Immer mehr zeigt oder offenbart sich die Erkenntnis, dass Dummheit, die man ewig verharmloste und entschuldigte, sowie Neid und Habgier unser freies Leben gefährdet wie nichts zuvor. Eine missbrauchte Demokratie, die eine Zerstörung ihrer selbst bewirkt und falsch verstandene Toleranz, nämlich die, der Intoleranz gegenüber, bringt uns in bislang ungeahnte Verhältnisse. Obwohl ich immer zögerte, in den Chor von „früher war alles besser“ mit einzustimmen, führt dies doch zu neuem Nachdenken und auch zu einer fast schon warmherzigen Rückschau, natürlich ohne künstlicher Intelligenz oder sonstigem zeitgeistigen Schnickschnack…

Wahrscheinlich wird’s eine Geschichte voller Gegensätze, übersät mit Abschieden, Trennungen und Scheitern, aber auch mit dem freudigen Gegenteil davon, mit oft überraschenden Wendungen und jeder Menge fleißiger Schutzengel. Fallweise gespickt mit Vorurteilen, wie auch mit vorauseilendem Gutglauben. Auch wenn meine Eltern, ohnehin chancenlos, gern einen Lehrer aus mir gemacht hätten, entschuldige ich mich jetzt schon für fallweises Schulmeistern. Apropos, ein Korrekturlesen dieser Geschichte werde ich wohl niemandem zumuten können, dafür wird’s scheinbar doch zu lang und „ausschweifend“. Aber es wird keine Abrechnung. Oder doch? Nein, eher nicht, fühle mich grad gar nicht danach, hab mir ja vieles und viele schön und lieb getrunken im Laufe der Zeit. Obwohl‘s im Wesentlichen ums Reisen, andere Länder und andere Sitten gehen wird, solls sehr wohl und auch notgedrungen ein Plädoyer gegen Tourismus sein! Aber auch eines für Musik, denn „nur böse Menschen kennen keine Lieder!“ Und von wegen „du soist nie aufhean zu lerna, oabeit mit da Fantasie, waunn’st dei Glick gerecht behaundlst, daunn valoßts di nie!“, man darf doch durch Erfahrung g’scheiter werden, oder? Und ich hatte durchaus Bedarf danach!
1969 (und 9 Monate später) ereignete sich etwas, dass sich später für mich noch als äußerst bedeutsam erweisen sollte, vom damaligen Geschehen in Woodstock hatte ich als 8-jähriger natürlich nichts gespannt. Allerdings habe ich im Laufe der Zeit, abgesehen von Arlo Guthrie, der dort ja aufgetreten ist, noch 3 andere Amis getroffen u. kennengelernt, die dabei waren und stolz berichteten, unter anderem darüber, dass sie auf Grund der Massen von um die 400.000 und der speziellen Witterungsverhältnisse kaum etwas von den Live-Akts mitbekommen haben und dass Jimi Hendrix auf Grund der technik- oder sonst wie bedingten Verschiebungen erst am Morgen des darauffolgenden Montag seinen sensationellen Gig spielen konnte. Es begab sich dann unter anderem zu jener Zeit, als ich (9 Jahre später) trotz langen Atems nicht nach Nürnberg* gelangen konnte, aber (17 weitere Jahre später) nach so etwas wie ländlichem Kommunenleben und -Treiben samt anschließender „Kur u. Reha“ in dünner Luft auf Chimborazo, Kilimanjaro & Mt. Everest, sogar mehrfach. Aber Gipfel sind relativ! Wer weiß zum Beispiel, dass der ecuadorianische „Chimbo“ vom Erdmittelpunkt aus gemessen der höchste Berg der Welt ist? So gesehen, da unser Planet mehr ein „Laberl“ als eine Kugel ist und an den Polen abgeflacht, wird wohl auch der tansanische und äquatornahe Kili höher sein als die weit nördlicher gelegenen Himalaya-8000er. Müde bin ich in die weite Welt hinein…
*** ist „Willkommen“ auf meidlingerisch! Mehr oder weniger…







