10) Westliche Kanaren & Portugal samt Japan-Connection. Ende der 80er-Jahre

starb mein Vater nach halbjährigen auf unterschiedliche Weise versuchten Gegensteuerns seinen Krebstod. Auf unserem Hof in Michelstetten gings noch sehr turbulent zu. Viele Konzert-, Literatur- u. sonstige Veranstaltungen, wie das damals längst nötige Wehrdienstverweigerer-Event mit entsprechendem Denk-mal -Bau (Hitler schien halbwegs entsorgt & Putin war noch ein unbekanntes KGB-Würschtl) und das Fest für Nicaragua „Häuser Für Chontales“, mit dem wir den Schulbau in entlegener Region mitfinanzierten, hielten mich nebst Job in Grafik und Ortsbildpflege sowie einem gröberen Beziehungschaos, ordentlich auf Trab. Hatte mich inbrünstig für die wunderbare und für mich viel zu gute Angela entschieden

…bevor ich’s wieder vermasselte! Ich unterbrach dies alles mit neuerlicher Spanienreise, erkundete endlich die in meiner Lobau-Bader-Clique länger schon verklärten Inseln El (männlich) Hierro und La (weiblich) Gomera. Hierro präsentierte sich mir fast wie ein Andenland meiner damaligen Vorstellung, wildes Vulkanland, steile gischtumtoste Küsten, liebenswerteste scheue Bewohner, ohne Touristen, aber auch ohne Lamas, dafür fast schon österreichisch, mit Kühen auf der Alm und einem sehr erdigen eigenen Wein und einer spezifischen würzigen Kulinarik. Dies gabs auch auf Gomera, wenngleich dort schon damals mit mehr Touristen als auf Hierro, vorwiegend deutsche, weniger Pensionisten wie auf anderen spanischen u. kanarischen Inseln, sondern eher junge neugierige und auch durstige Zeitgenossen. Ich verliebte mich auf Anhieb gleich in mehrere Orte dort. Schon die Hauptstadt San Sebastian als Ankunftsort nach der Überfahrt von Teneriffa ließ wieder Auswanderungsfantasien sprießen. Im damals noch kaum verbauten (und versauten) Valle Gran Rey residierte ich günstig in einer WG gemeinsam mit 2 Schweizerinnen und einem Bierbrauer aus dem deutschen Warstein. Alle drei waren trotz unterschiedlicher Vorlieben äußerst musikaffin, hatten Instrumente dabei und animierten mich, sie beim sonnenuntergänglichen Aufspielen zu begleiten. Wir taten dies zum Spaß, vor allem zu unserem Spaß. Als Leute jedoch begannen, papierene Pesetas in unsere meist leeren Gläser zu stecken, wurden wir ehrgeizig, was sich weniger im Üben als in der Anschaffung eines Spendenhutes manifestierte. So konnten wir unseren Aufenthalt deutlich verlängern und es ehrte uns, wenn sich immer öfter auch „richtige“ Musiker, also Profis, dazu gesellten. Es bedurfte aus meiner österreichischen Sicht aber eines liederlichen Robby Lederer, um 20 Jahre später daraus „Nägel mit Köpf“ zu machen. Die gut 20-köpfige Gomera-Street-Band gibt’s heute noch sehr erfolgreich, auch abseits dieser Insel…

Portugal musste damals ebenfalls herhalten. Beim Autostoppen lernte ich eine ausgewanderte uralte(?), ca. 35-jährige Deutsche samt ihrem 2-türigen elfenbeinweißen Cabrio-DS, also der nicht viel jüngeren legendären Citroen-Göttin, kennen. Sie lud mich für 2 Tage in ihr rustikales Anwesen am inneren Rand der Algarve und brachte mir einige Besonderheiten, Orte und sonst was näher. Sie wusste von tollen traditionellen Festen der Umgebung und animierte mich, Aviero und Porto an der nördlicheren Atlantikküste heimzu-suchen und einige ihrer Freunde dort zu be-suchen. An der felsigen u. spektakulären Bilderbuch-Algarve war es schwierig, sparsam zu verweilen, so konnte ich am Strand nicht länger als 2 – 3 Stunden „nächtigen“ bis mich dortige Kiberer entdeckten und vertrieben. Das war anders an der flacheren östlichen Küste, wo ich sogar noch wild (in meiner Hundehütte) campieren konnte. Bei Tavira gabs das Farol, eine wunderbare Bar im Leuchtturm, wo ich mit den Stammgästen (und Innen) allabendlich zu Van Morrison’s Moondance-Album und Ähnlichem zwischen Worldmusic, Folk und Jazz tanzte und trank. Derart positiv geladen gings wieder retour. Ab Zürich, wohin ich es als Anhalter schaffte, auch im Zug, in dem ich 2 Japanerinnen kennen lernte, die eigentlich in ein damals noch sauberes orbanfreies Ungarn wollten. Sie ließen sich umstimmen und überreden, ihren Urlaub in Wien zu verbringen, wo ich mich natürlich prompt wieder als Fremdenführer in Stellung brachte. Sehenswürdigkeiten waren halt auch meine Stammbeisln abseits der Innenstadt und auch meine Freunde wie der Bildhauer und Nudist Erasmus Valenta. Bei einer Menschenkette gegen Abfangjäger z.B. stand er händchenhaltend zwischen mir und einer 80-jährigen Zeltwegerin. Natürlich nackt! Er musste das, war er doch auch im Winter und bei Schnee, der damals tatsächlich noch eine Zeit lang liegenblieb, meist barfuß unterwegs & oft auch mit Ziege, weshalb ich ihn wahrscheinlich besonders mochte.

Im Cafe Lange stellte ich ihm meine Japanerinnen Junko & Makiko vor. Er bestätigte ihnen klarerweise meine Schilderungen bezüglich des typisch österreichischen Höflichkeits- und Begrüßungskusses …mit Zunge! Sie waren sehr aufmerksam und gelehrig. Dennoch und das ist nur einer von vielen Gründen, warum ich Japan sehr schätze, blieben sie mir treu. Makiko schreibt mir bis heute, also 36 Jahre später, immer noch jährlich liebe Briefe. Wer schreibt heute noch Briefe? Ausgerechnet die übertechnisierten, aber in vieler Hinsicht einfach ehrlichen und zuverlässigen Japaner! Ich bedauere jene, die aus optischen Gründen für Chinesen gehalten werden sehr. Vielleicht fuhr ich auch deshalb meist und meist unbereut japanische Autos und Motorräder. Der immer wieder getätigten Einladung zu ihr und ihrer Familie nach Kyoto bin ich bislang nie nachgekommen, weiß ehrlich gesagt selbst nicht so genau, warum! Aber wer weiß? Erasmus wanderte aus nach Gomera…