22) „Oh, Lord, won’t you buy me a Mercedes B.? My friends all drive Porsches, I must make amends!“ Vehikeln

In dieser Zeit gab es noch die Korrespondenz mit dem Design-Zentrum in München. Obwohl da kaum ein Wort über E-Autos verschwendet wurde, war sehr wohl von erheblichen Veränderungen in der Mobilität die Rede. Es wurde über eine Fahrzeugkategorie geschwurbelt, die einen noch nie dagewesenen Willhaben-Effekt auslösen sollte. Ich dachte dabei an sowas wie schwer versau-bare All-In-One -Modelle, also geräumige und bewohnbare Kombi-Coupe-Cabrios, die aufgrund perfekter Aerodynamik und materialveränderter Gewichtseinsparung deutlich sparsamer und somit auch sauberer hätten sein können. Dabei erwähnte ich auch eine Art Rekuperierungsmöglichkeit, die ich mir weniger rein elektrisch, als mehr wie Aufziehhasen oder Uhren mit Spiralfedern vorstellte, ähnlich wie einstige Spielzeugvehikeln, die man ca. 1 Meter bis zum Anschlag zurückschieben, also aufziehen musste, um sie dann mehr als 3 Meter nach vorne sprinten zu lassen. Wie sich später herausstellte, grübelten Toyota und Honda da schon an Hybridsystemen, die natürlich auch Elektromotoren mit Akku samt Rekuperation auf effizientere Weise beinhalteten. Wie sich spätestens im neuen Jahrtausend herausstellen sollte, wurde die ersehnte Willhaben-Wunderwaffe mittels hochsitziger, raumverschwenderischer und spritfressender SUV-Panzer gefunden. Die aktuellen, teils um die 2,5 Tonnen schweren, Elektro-Varianten, mit weit mehr als 300 umgerechneten PS und nur geringfügig des Fahrens mächtiger Zombies am Steuer, halte ich für um nichts erträglicher, weder ökologisch und bezüglich der ausbeuterischen Art der Monster-Akku-Produktion schon gar nicht, was Menschenwürde anbelangt. Reduktion, Zurücknahme und echte Nachhaltigkeit oder in jeder Hinsicht weniger zu verbrauchen, wird nicht wirklich diskutiert. Spätestens wenn ich per Fahr- oder Motorrad durch Wien kutschiere, das sich mit Dubai um die Krone der meisten SUVs matcht und bemerke, dass in fast jedem Riesenkübel nur eine Person zu sehen ist (im Durchschnitt ca. 1,3!) so fühle ich mich mit einer 2. Person auf der Stange oder als Sozius/Sozia schon deutlich überbelegt. Mein eigener Wagen in den mittleren 90ern war ein älterer 9-Sitzer Bus, der zugegebener Weise auch nur dann voll belegt war, wenn ich per Mitfahrzentrale damit nach Deutschland fuhr und somit nicht nur ordentlich Geld sparte, sondern sogar noch dran verdienen konnte.

Kann mich noch erinnern, als unser Nachbar seinen uralten Brezelscheiben-Käfer über die Mistg’stettn entsorgte. Da zeigte niemand noch auf oder an ob der Umweltfrevelei und den späteren Wert solcher „Kraxen“ erahnte auch noch keiner. Mein Vater machte sich einst über die vielen VuatWuaschtla, wie er sie nannte, lustig, wenn sie mit ihren schwachbrüstigen Vielfraß-Heckmotoren bergauf so sehr an Tempo verloren. Mit seinem milchiggrautrüben 1100er Fiat, inklusive serienmäßig mittig positioniertem „ganzen“ Scheinwerfer, schaffte er es allerdings auch nicht, diese zügig zu überholen, falls es überhaupt so weit kommen sollte. Denn auf einer Kärntner Bergstraße irgendwo zwischen Hermagor und Stockenboi, mussten wir Kinder mal aussteigen und hinten anschieben, um den Wagen, der mit richtiger Farbe sogar halbwegs niedlich gewesen wäre, noch mit unverkochtem Restkühlwasser raufzukriegen. Die Käfer hatten wenigstens den Ruf des robusten oder unkaputtbaren, womit die Realität zwar nicht ganz mithalten konnte, dass man sie oft auch selbst reparieren konnte, war aber schon sehr leiwand. Weiß noch, wie ich mit einem Kumpanen (d’Ehre Bepschal!) das „schlecht friesierte“ knapp 40 PS -Motörchen dem Heck seines „Scherzls“ entnahm und auf die Werkbank trug, um es tags darauf saniert und zusammengeflickt wieder zurück zu pflanzen. Wirklich robust erwiesen sich bald die Fahrzeuge einer exotischeren Herkunft. Viele Jahre später auf der Kapverdeninsel Sao Nicolau bemerkte ich, dass es dort nur Toyotas gab. Auf Nachfrage bei einer Tankstelle, warum und weshalb, begründete man dies mit dem Nichtvorhandensein von Kfz-Werkstätten. Als ich nachlegte, wie das gemeint sei, kam ganz selbstverständlich zurück, dass man eigentlich nur diese Karren auf Grund ihrer Haltbarkeit gar nicht erst reparieren muss…

Ich bin immer wieder verwundert, wenn Massen, wie sie inzwischen auch faschistischen und faschistoiden Parteien ihre Stimme geben, bei der Wahl ihres fahrbaren Untersatzes weder nach sachlich-rationalen noch nach moralischen Grundsätzen vorgehen. Sie erliegen wie Lemminge einer milliardenschweren verlogenen Propaganda und dem Gefasel von Volks- oder Premiumprodukten. Der größte und schlimmste Betrügerkonzern macht in unserer Bananenrepublik die stärksten Umsätze und das nicht erst seit dem mörderischen Diesel-Abgas-Skandal. Die Verbandelung der Gründerfamilie mit dem Naziregime, als Hitler den „Volkswagen“ in Auftrag gab, will ich hier gar nicht thematisieren, die ist hinlänglich bekannt. Bestechung und Korruption bis in höchste Ebenen, die deutsche Regierungen zu Fall hätte bringen können oder müssen, wie auch entsprechende Instanzen der EU und das zum Nachteil der halbwegs anständig agierenden Konkurrenz und letzten Endes aller Europäer, schon weniger. Und man verbaute über Jahre hindurch wissentlich Problemmotoren, die meist kurz nach dem Erlischen der Garantie kapitale Schäden erlitten und es handelte sich sowohl um Diesel wie auch um Benzinmotoren. Innerhalb eines Monats hatten zum Beispiel 4 meiner KollegInnen ihre Motorschäden. 1 Polo, 1 Golf, 1 Fabia und ein 3er Audi waren betroffen, alle mit Motoren des VW-Konzerns (der Kollege mit seinem Seat Leon blieb außen vor, erlitt noch rechtzeitig einen Dachschaden, den ihn ein Nebenbuhler verpasste!). Der Dieselbetrug mit Schummel-Software hinterließ allerdings europaweit nicht nur zig-tausende frustrierte Kunden, sondern auch tausende Todesfälle (zusätzliche Todesfälle klarerweise, denn die legalen und ungeschönten Dreckschleudern fordern ohnehin ihre Lungenkrebs- u. sonstigen Opfer), da der Schadstoffgrenzwert nicht nur um ein paar Prozenten überschritten wurde, sondern teilweise ums bis zu 10-fache! Die ach so kulanten Maßnahmen bei diversen Rückrufaktionen, brachten, wie man heute weiß, außer Leistungsverlust und Mehrverbrauch, keine nachhaltigen Veränderungen. Derzeit wird seitens des deutschen Umweltbundesamtes ernsthaft erwogen, viele Millionen von derartigen Vehikeln aus dem europäischen Verkehr zu ziehen! Egal, es wird dort weiterhin munter drauf los gekauft, jetzt sind’s halt keine Problemverbrenner, sondern Elektroschrott, den sich „ganz besonders schlaue“ inzwischen gleich aus dem fern aller Menschenrechte agierenden und Putin’s Krieg tolerierenden und zum Teil auch unterstützenden China holen. Von Teslas des hitlergrüßenden u. reichsten Ausbeuters der Welt (…vor dem zweitreichsten Ausbeuter Amazon- Jeff Bezos!) will ich hier gar nicht erst zu schreiben beginnen! Es könnte vernünftige und nachhaltigere Lösungen gäben, auch ohne verbesserte Öffi-Anbindungen und gesundheitsfördernde Fuß- wie Radbewegungen da unbedingt miteinzubeziehen, bleibt nur zu hoffen, dass kurzfristiger Profit und „hinter mir die Sintflut“-Denken nicht weiterhin die Richtung vorgibt. Anfang 80 war ich als Ersatz für einen verletzten Rennfahrer, den ich von der Schule her noch kannte, beim Renault R5 -Cup in Zeltweg aktiv und das gar nicht mal so übel. Wie auch immer, Autofahren machte einst Spaß und mein Interesse an modernen pseudo-innovativen bis selbstfahrenden Boliden verflog und die Lust, wieder in manch 3. Welt zu streunen, wuchs ungemein…

Meine und unsere eigenen Boliden, die fast alle als Reise-, Übernachtungs- und Campingmobile herhielten, sowie ein paar unerfüllte und eher weniger beschlafbare Träume…