24) Walla, Pferde, die Dolomiten & Madeira

Wieder mal im Hot Light von Kreuzstetten gelandet, diesmal vorsorglich als Beifahrer bei Bass(im)isten-Freund u. Kollege Peter S, fiel mir eine herumwirbelnde wirrlockige Blonde auf. Kaum multitask wie ich bin, wollte ich mich jedoch lediglich auf Alkohol und lästige Musikwünsche, wie mehrere von mir damals favorisierter Jethro Tull, Frank Zappa u. Colosseum -Nummern, konzentrieren …bis mich die besagte, die mit ihrer kaum weniger wilden und blonden Freundin aus dem Wienerwald vor Ort war, nach einer Mitfahrgelegenheit nach Mistelbach fragte. Da wir dort ebenfalls noch hinwollten, fragte ich meinen nüchterneren Chauffeur „heast Beda, do warandn zwa goa ned z‘widare Mentscha, die mit uns noch Mistlboch woitatn, mir hädadn eh no Plotz, gö!?“ „Du imma mit deine Bledheitn, kummt ned in Froge, die vasaun ma sicha nur mein Wogn!“ kam retour und wir fuhren allein zurück. Die Telefonnummer dieser steilen Tänzerin wurde mir, wie durch was auch immer, trotzdem noch rechtzeitig zuteil.

Walla, wie ich meine neue Discobekanntschaft und baldige Freundin und Lebensgefährtin nannte, faszinierte mich und machte mich zum Teilzeit-Mistelbacher. Sie hatte ähnlich wie ich, recht großen Bekanntenkreis und wir etablierten regelmäßige Heurigenbesuche, meist erwandert in die umliegenden Dörfer. In M-bach selbst wurde erst das ans Wiener Hawelka erinnernde Cafe Harlekin zur Auffangstation, aber bald auch schon Reinhard Kruspel‘s „Altes Depot“ zum idealen Live-Music-Pub. Ich heuerte für eine Zeit lang sogar als Hackler in einer dortigen Druckerei an. Mit Walla konnte man echt Pferde stehlen, was sie möglicherweise schon vor mir tat, denn sie hatte ein Pferd namens Shari am Hof ihrer lieben Eltern, mit der sie regelmäßig über die Felder ritt. Ich freundete mich rasch mit Shari an und zog ebenso mit ihr über die Felder, allerdings eher wie mit einem Hund an der Leine. Ich mochte sie sehr …und sie mich, aber zum be-reiten bevorzugte ich meine Tenere-Yamaha! Wenn Walla zu streng mit ihr verfuhr, kuschelte sich Shari an mich. Und ich wurde wieder zum Stall-Ausmister! Ihre Bereiterin erwies sich als perfekte und unkomplizierte Reisebegleiterin, besonders für entlegenere Gegenden. „Akklimatisiert“ hatten wir uns gerne auch etwas näher, so sind wir mit Hannibal II, meinem 9-Sitzer-Bus, über Glockner’s Hochalpenstraße in die Südtiroler Dolomiten gepilgert, um die Zinnen, Latemar und den Rosengarten deutlich über der Wolkendecke zu umrunden. Walla tat dies elegant und zügig wie eine Langläuferin ohne Stecken und Ski. Und wir wiederholten das in Zeiten, als Unsereiner oder 2 noch nicht in Massen die einheimischen Bergleute nervte. Rom und Sizilien bereisten wir noch per Zug, nach sprachlichem Akklimatisieren auf Madeira und Porto Santo (Waltraud inspizierte später auch die Azoren), flogen wir im Winter 97 samt Freundinnen und anfangs Erwähntem und noch ohne CO2- oder Fußabdruck-Diskussionen auf die…