Europa? Ja klar, Europäer will ich sein, manchmal weniger und enger, meistens aber deutlich mehr und noch Meer. Europa hat auf relativ geringer Fläche eine unglaubliche Vielfalt zu bieten. Okay, das denk ich auf gewisse Weise und nicht ohne Grund auch über Österreich und Wien. Aber erst durch unsere europäischen Nachbarn wird uns der Zugang zum für mich so wichtigen Meer gewährt, diesem Meer, das uns in seiner Grenzenlosigkeit mit der Welt verbindet. Als vor ein paar Jahren Katharina beruflich nach Spanien musste, packten wir die Gelegenheit am Schopf. Wir ergatterten 3 Wochen Zeit und fuhren mit günstig erworbenem Fiat-Bus aus dem Fuhrpark der Welser Post gen Südwesten.

Über Soave und Gardasee gings zu Traumzielen wie die Cinque Terre und Sestri Levante in Ligurien zum wunderschönen Menton schon im Frankenreich. In Antibes besuchten wir Freunde, mit denen wir das übereinstimmend geilste Muschelfressen genossen, bevor wir das ockerfarbene Roussillon des Luberon, den Canyon Du Verdon samt sagenhaften und vom Wasserfall durchtrennten Moustiers belagerten. Über die Pyrenäen erreichten wir schließlich die ersehnte Costa Brava, huldigten Salvador Dali in Cadaques, verliebten uns ins Fischerdorf Calella und in das von 4 Flüssen belebte und in jeder Hinsicht bunte Gerona, ehe wir über Tossa De Mar nach Barcelona gelangten, um uns Antonio Gaudi’s bauliches Treiben zu verleiben. Und überall auf dieser grenzüberschrittenen Tour wurden wir von unseren „Kollegen und Innen“ in ihren ebenso gelben Dienstwägen wie den unseren enthusiastisch gegrüßt, was wir leidenschaftlichst erwiderten. Während meine Frau ihren Job erledigte, hatte ich „frei“ und erkundete noch die Dorada-Costa mit ihrer Filmfestival-Metropole Sitges. Dort wurde ich nicht nur von den Postlern freundlichst gegrüßt, diese schöne Küstenstadt ist ja bekanntlich auch Schwulenmetropole der Region.

Wie Gaudi einst sexuell orientiert war, weiß ich nicht, dass er aber im Streben nach vollkommener Architektur sich eindringlich in Spiritualität vertiefte, nicht nur Ideen der Gotik und späteren Epochen entnahm, sondern bis dahin ungeahnte und ungenannte fantastische Stile und Formen verwirklichte, faszinierte mich ungemein. Er war von Demut geprägt & Anwalt der Armen, ehrte die Natur als Ausdruck göttlicher Harmonie und lebte bescheiden ohne jeglichen Prunk. Ironie bleibt sein Unfalltod Ende der 30er-Jahre, als ihm auf Grund seines ärmlichen und heruntergekommenen Äußeren nicht geholfen wurde, nachdem er von einer Straßenbahn schwer verletzt übrig blieb. Derzeit feiert man seinen hundertsten Todestag und seiner Sagrada Familia wurde endlich der Hauptturm fertiggestellt, der mit seinen 172 Metern nun vor Ulmer und Kölner Dom als höchste Kirche der Welt gilt.
Herbstliche Retro-Reise 2026
Katharina hatte Anfang September noch geschäftlich in OÖ, Salzburg und Südtirol zu tun und ich machte ihr wieder mal den Chauffeur, nicht ohne mir die Belohnung in Form eines abendlichen Besuchs in meiner Bozener Lieblingsbrauerei abzuholen. Da wir anschließend im Venetischen Prosecco-Land ein mehrtägiges Date mit „Xindl & Bagage“, also unserer langjährigen Gang hatten, beschlossen wir, uns gleich zwei zusätzliche Wochen bereit zu stellen, um besondere Teile Frankreichs und Ligurien zu durchreisen. Zuvor hatte ich unseren 3 Jahre lang gemieteten Sommersitz in Istrien abgebaut, geräumt, meinen Wagen vollgestopft wie auch „tiefergelegt“ und mich ausführlich von den vielen liebgewonnen Dorfbewohnern verabschiedet. Nun gab’s die Zeit und Möglichkeit für uns, wie einst, von einer coolen Gegend zur anderen zu tingeln und wenn kein Quartier eindeutig unter 100 Euronen für uns beide aufzutreiben war, nächtigten wir gar nicht mal so unkomfortabel auf Camping- oder Stellplätzen in meinem braven Kombi. Über berüchtigtem Stallersattel (ohne Hubert!), einem wahrlichen Motorradtraum (mein entsprechendes Gefährt weilte indes zu Hause und wurde an seinem Sattel und den linken wie gutmenschlichen Aufklebern übelst beschmiert und verunstaltet!), ging’s von Ost- nach Südtirol, welches wir nach erledigtem Job durch einstellig temperierte Dolomitenhöhen Richtung unserer durstigen Freunde verließen. Nach dem erstaunlich ursprünglichen und gemütlichen „Prosecco“, wo ich als einziger Sprudelverweigerer doch noch mit hervorragendem Cabernet Franc beglückt wurde, gab’s noch ein gemeinsames Ziel in einem meiner absoluten Lieblingsstädte, in Bassano Del Grappa an der berühmten Brenta, wo die (genauso absolut) freundlichsten, feschesten und lustigsten Kellnerinnen und Kellner für unser aller vielfältiges Wohl sorgten. Über den Iseo-See und unter dem Mont Blanc, gelangten wir relativ zügig an den Zusammenfluss von Rhone und Saône, nach Lyon, wo uns, wie auf der restlichen Tour De France, schon mehr als deutlich wieder vor Augen und Ohren geführt wurde, dass es die berühmt unfreundlichen Franzosen nicht gibt, zumindest in unserer Wahrnehmung nicht. Vielleicht gilt das ein Wenig, wenn man penetrant gleich Englisch oder Deutsch lossprudelt, aber mit ein paar unbeholfenen und patscherten Bemühungen, wenigstens auf semifranzösisch zu grüßen, zu fragen oder zu bestellen, kommt’s mit großer Wahrscheinlichkeit nur freundlich und wohlwollend retour. Wie Marseille schon Jahre zuvor, genossen wir auch Lyon in seiner gesellschaftlichen, architektonischen, künstlerischen und gastronomischen Vielfalt und wir hatten jede Menge Spaß mit diesen Galliern. Unser nächstes begehrtes Ziel wurde Flusstal und Canyon der Ardeche, die sich nicht nur wunderbar durchschwimmen, sondern per Kajak auch durch den einzigartigen Pont d’Arc spektakulär bepaddeln ließ. 2 mal gekentert und 1 mal davon inklusive unfreiwilliger Eskimorolle, trotz akribischen Studiums der betreffenden Passage vorab! Ganz touri-like besichtigten wir neben Vallon noch das malerisch pittoreske Balazuc an besagtem Fluss, ehe wir durch die herbstlich lavendelblütenlose Provence an einen bislang verschmähten oder nicht gekannten Küstenabschnitt der azurnen Cote gelangten. Bei Theoule Sur Mer nähe San Raphael findet sich der von roten Bergen und Felsen umrahmte Pointe de l’Aiguille, wo wir in dunkel-tief-grünblauem Meer auch schön nudistisch baden konnten. Unser bewährtes Pilgerziel Menton noch auf französischer und Ventimiglia schon auf italienischer Seite dienten uns als geeignete Zwischenstationen, bevor wir noch entspannte Tage im authentisch-ligurisch geprägten Laigueglia westlich von Genua und in Bogliasco, meinem (schon wieder) Lieblingsort östlich davon, verbrachten. Bei anschließender Weiter- oder Heimreise entschieden wir uns, Verona und unser gemütliches Soave samt seinem wunderbaren Wein ausnahmsweise links liegen zu lassen und dafür im „folk“loristischen Spilimbergo mit seinem belebenden Tagliamento-Fluss nach dem Rechten zu sehen. Das legendäre Musikfest gibt’s seit Corona nicht mehr, die Stimmung im Ort empfanden wir dennoch und immer noch sehr leiwand, der „Fiume“ war typisch für das heurige Jahr und seinem eskalierenden Klimawandel ziemlich trocken, wenn wir auch eine äußerst idyllische und tiefe letzte Badestelle neben einem einigermaßen seichten aber gemütlichen letzten Einkehrstandl finden konnten…
Eben erst hat sich ein Buckelwal vom Atlantik an einen entfernten Ostseestrand verirrt. Unser aller Einfluss darauf will ich jetzt gar nicht breittreten, ist weitgehend unbestritten, aber ich erinnere mich gerade an meine einstigen Träume, in denen ich wie ein Hendl gerade noch über Zäune und Mauern fliegen und allen Wickeln entkommen konnte. So auch unter Wasser, als ich wie ein buckeliger Wal, harmonisch und friedlich um die Welt strampeln durfte. Natürlich erwachte ich gestrandet in unserem „Binnenland“ …allerdings nicht, ohne die Sehnsucht und Lust auf die nähere und weitere Ferne samt südländischer Mentalität, Gelassenheit und Kulinarik weiterhin gedeihen zu lassen. Und wiedermal möchte ich pro Bild gut 1000 Worte sparen:
Griechenland
…erwähnt in Kapitel 12 und 40
Natürlich Italien
…kommt in Kapitel 24, 36 und 47 vor

Frankreich
…in Kapitel 04 und 09 erzählt
Spanien -Andalusien & Costa Brava
…in Kapitel 09, 10 und 53 geschildert
Portugal
…in Kapitel 10 erwähnt




























































































































































































































































































































































































































































































